• vom 12.04.2018, 17:23 Uhr

Bühne


Interview

Vorsicht statt Provokation




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Von Verena Franke

  • Das Tanzquartier widmet sich gemeinsam mit der heimischen Performerin Christine Gaigg der #metoo-Debatte.

Christine

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Wien. Nacktheit auf der Bühne gehört zum Performer-Alltag, dabei auch Körperkontakt zu Kollegen, zu Choreografen, zu haben, ist selbstverständlich. Gerade beim Tanz und der Performance steht der Körper im Mittelpunkt. Man könnte meinen, dass es auch in dieser Szene sexuell motivierte Übergriffe gegeben haben könnte. Doch bezüglich der #metoo-Debatte, die vom Kino bis zum Theater weite Kreise zieht, hat sich die heimische Tanz- und Performanceszene bisher sehr still verhalten. Erstmalig reflektiert zurzeit das Tanzquartier darüber.

Strohfeuer und verpönter Sex
Als die oberösterreichische Performerin Christine Gaigg ihr Stück "Maybe the way you made love twenty years ago is the answer?" herausbrachte - ein Bühnenessay zum gesellschaftlichen Stellenwert von Sexualität - war es das Jahr 2014. "Mir ist damals eine gesellschaftliche Verschiebung in Bezug auf die Einstellung zur Sexualität aufgefallen. Nämlich, dass eine Art freie Sexualität verpönt ist, und es immer mehr Regeln gibt, wie man sich annähern darf, wie man etwas einleiten darf", so die Choreografin im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Es gab einige Strohfeuer, wie etwa die Vorwürfe gegen Julian Assange, die nun im Zusammenhang mit der #metoo-Debatte bewusst machen würden, dass es damals schon Thema gewesen sei.


Das Tanzquartier nimmt "Maybe the way you made love twenty years ago is the answer?" wieder auf und führt so die Auseinandersetzung mit Begehren und dem neuen Framing mit der Uraufführung von Gaiggs "Meet" fort, in dem ebenfalls das Thema Sex verhandelt wird.

",Meet‘ ist ein intimes experimentelles Format, und ein Versuch mit den Teilnehmern, die kein Publikum mehr sind, zu entdecken, was passiert, wenn man sich eine bestimmte Zeit gemeinsam in einem Raum befindet", beschreibt Gaigg ihr jüngstes Werk. Das Thema ist: Wie entsteht Energie untereinander, was tut man dann, was traut man sich, wo beginnen Hemmungen? "Das wird mit jeder Gruppe sehr unterschiedlich sein."

Die #metoo-Debatte fließt dabei unterschwellig ein: "Weil wir alle durch diese Diskurse wissend sind und jeder dazu eine Meinung hat. Das beeinflusst jedes Denken und jedes Verhalten", so die Performerin. "Eingebettet dazu wird im Tanzquartier auch eine Podiumsdiskussion mit Ilse Ghekiere, Robert Pfaller und Peter Stamer stattfinden, in der wir unterschiedliche Meinungen vertreten werden", kündigt Gaigg das Rahmenprogramm an. "In der #metoo-Thematik mischen sich viele unterschiedliche Vorkommnisse: Das reicht von Lappalien bis zu schwerwiegenden Vergehen", erklärt Gaigg. Man könne sagen, dass es Kollateralschäden geben würde, doch befürchtet sie: "Dass etwa die Erotik und das Flirten Schaden nehmen werden. Ich würde nicht meine Hand ins Feuer legen, dass in der Performance-Szene hierzulande nichts passiert, aber das Machtgefälle im zeitgenössischen Tanz ist nicht so hierarchisch gegliedert. Dennoch provoziert Performance bewusst, wie auch Theater und Kunst im Allgemeinen." Ob die Vorsicht einen Platz in der Kunst einnehmen wird? "Das ist der Punkt."




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Dokument erstellt am 2018-04-12 17:27:11


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