• vom 12.04.2018, 17:28 Uhr

Bühne

Update: 13.04.2018, 17:53 Uhr

Oper

"Kreativität braucht Grenzen"




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Von Christoph Irrgeher

  • Der britische Komponist Gavin Bryars über ein Laien-Orchester mit Brian Eno, die abenteuerliche Zeit mit John Cage, den vermeintlich freien Jazz und seine Kammeroper "Marilyn Forever" im Kasino am Schwarzenbergplatz.

Vom Freejazzer zum Notensetzer: Gavin Bryars. - © Doug Marke

Vom Freejazzer zum Notensetzer: Gavin Bryars. © Doug Marke



Projektionsfläche für Männerfantasien: Marilyn (Rebecca Nelsen) im Kasino.

Projektionsfläche für Männerfantasien: Marilyn (Rebecca Nelsen) im Kasino.© Barbara Pálffy, Volksoper Wien Projektionsfläche für Männerfantasien: Marilyn (Rebecca Nelsen) im Kasino.© Barbara Pálffy, Volksoper Wien

Wien. Am späten Mittwoch ist er in Wien gelandet - und wenig später schon durch die Türen des Kasinos am Schwarzenbergplatz marschiert. Gavin Bryars sitzt dort mit britischem Understatement am Bühnenrand und blätterte still in einer Partitur. Er will die Einstudierung seiner Oper "Marilyn Forever" (Premiere: Samstag) nicht stören, sagt der 75-Jährige, steht hier für Fragen der Künstler bereit. Für das vereinbarte Interview mit der "Wiener Zeitung" reißt er sich dann aber doch von seinem Posten los - und spricht über ein Komponistenleben, das ganz anders verlaufen ist als das heimischer Tonsetzer.

"Wiener Zeitung":Wer in Österreich komponiert, setzt sich mit einem langen Kanon auseinander: Mozart, Haydn, Beethoven, Mahler, Berg. Kann man sagen, dass Sie aus einem ganz anderen Koordinatensystem stammen?

Gavin Bryars: Ich habe als Jazz-Bassist angefangen, meine Band hat frei improvisiert. Dann begegnete ich John Cage und war einige Zeit sein Assistent in den USA - das eröffnete mir ein experimentelles Klima voller neuer, seltsamer Ideen; darin habe ich mich entwickelt. Bemerkenswert aber: Keiner der Komponisten, mit denen Cage gearbeitet hat, klang später wie dieser. John Cage schuf ein Umfeld, das du verlassen konntest und dann du selbst warst: Das ist das Maß seiner Größe.

Welche Folgen hatte die wilde Fluxus-Zeit für Sie?

Als ich nach England zurückkehrte, fand ich mich zu meinem Erstaunen an Kunst-Universitäten wieder und durfte dort unterrichten - nicht etwa an einer Musikabteilung.

Sie haben in den 70er Jahren bereits mit der Produzenten-Legende Brian Eno gearbeitet. Er brachte damals ein Album mit zwei Stücken von Ihnen heraus - atmosphärische Musik, die wenige Takte lang wiederholt und leicht verändert. Wie kam es zur Aufnahme?

Ich kannte Brian, als er noch nicht Mitglied der Band Roxy Music war, sondern ein Kunststudent. Er wollte Musik herausbringen, die zwar zeitgenössisch war, aber nicht so klang, wie man sich das gemeinhin von dem Genre erwartete. Brian wollte eine breitere Aufmerksamkeit für Werke schaffen, die auch ein nicht-spezialisiertes Publikum zugänglich fand.

Sie spielten mit Eno auch in einem Orchester namens Portsmouth Sinfonia. Stimmt es, dass keines der Mitglied sein Instrument beherrschte?

Ja. Am Anfang bestand das Ensemble nur aus Kunststudenten. Ich habe es gegründet, Brian kam später dazu. Jeder bekam ein Instrument und lernte in drei Tagen die Grundtechniken, dann spielten wir Orchestermusik.

Ein Spaß-Projekt?




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Schlagwörter

Oper, Volksoper, Gavin Bryars

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-04-12 17:33:12
Letzte Änderung am 2018-04-13 17:53:55


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