• vom 13.04.2018, 17:02 Uhr

Bühne

Update: 13.04.2018, 17:53 Uhr

August Diehl

Der Gratwanderer




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Von Petra Paterno

  • August Diehl vergleicht Hollywood mit dem Burgtheater, spricht über Heimatlosigkeit und seine Erfahrung mit Sucht.

"Ich würde von mir durchaus behaupten, süchtig zu sein! Ein nüchterner Mensch bin ich jedenfalls nicht", sagt August Diehl. - © Robert Newald

"Ich würde von mir durchaus behaupten, süchtig zu sein! Ein nüchterner Mensch bin ich jedenfalls nicht", sagt August Diehl. © Robert Newald

"Wiener Zeitung": "Eines langen Tages Reise in die Nacht" gilt als Eugene O’Neills Meisterwerk, das Andrea Breth am Burgtheater mit erlesenem Ensemble am Samstag (14. April) zur Uraufführung bringen wird. Die Ansprüche an einen Theaterabend könnten höher nicht sein: Wie gehen Sie mit Leistungsdruck um?

August Diehl:Ich spüre keinen Druck. Früher mag dies noch eine Rolle gespielt haben, doch das wird auch immer weniger. Wir haben lustige Proben, lachen viel.

Information

August Diehl, 42, wurde mit seiner ersten Hauptrolle im Kinofilm "23 -
Nicht ist so wie es schient" schlagartig berühmt. Seither gehört er zu
den gefragtesten deutschen Schauspielern, auf der Bühne wie in
internationalen Filmen. Diehl ist Ensemblemitglied am Burgtheater, mit
Andrea Breth hat er häufig gearbeitet.

Worüber lachen Sie denn? Das Stück ist alles andere als komisch.

Ja, aber es hat komische Aspekte. Vielleicht wirkt Humor wie ein Ventil. Umgekehrt ist es doch so, dass bei den Proben zu Komödien viel weniger gelacht wird, als man gemeinhin annehmen würde.

Im Zentrum von "Eines langen Tages Reise in die Nacht" steht das Phänomen Sucht: "Das hat das Leben aus uns gemacht, wir können nichts dafür." Welche Rolle kommt der Schuld in dem Drama zu?

Es heißt darin aber auch sinngemäß: Nicht die Sterne haben Schuld, wir alleine sind verantwortlich. Jedes Familienmitglied hat Schuld auf sich geladen und versucht diese loszuwerden. Jeder hat eine andere Haltung zum Leben, jede vertritt etwas anderes.

Sie spielen Edmund Tyrone, der häufig als Alter Ego des Dramatikers interpretiert wird. Wofür steht Ihre Figur?

Meine Figur erlebt Einschneidendes. In der Mitte des Stücks findet der Besuch bei einem Arzt statt - nach der Diagnose Schwindsucht ist er ein anderer Mensch. Ab diesem Moment, ab dem er weiß, dass er wohl nicht mehr lange zu leben hat, betrachtet er seine Familie, mit der er zuvor immer gestritten hat, mit anderen Augen. Er wird genauer, aber auch zärtlicher.

Eugene O’Neill hat in dem Stück auch seine eigene Familiengeschichte verarbeitet.

Es muss ihn wahnsinnig viel gekostet haben, dieses Stück zu schreiben. Er selbst sagte ja, es sei verfasst "mit Blut und Tränen, geboren aus frühem Schmerz". Es ist kein Zufall, dass es erst Jahre nach seinem Tod uraufgeführt wurde.

Die Mutter nimmt das Morphium darin heimlich, während die Männer ihrem Alkoholkonsum auf offener Bühne frönen. Welche Rolle spielt der Alkohol?

Er grundiert das ganze Stück. Die Handlung ereignet sich im Laufe eines Tages, mit dem Verstreichen der Zeit driften die Figuren zunehmend in Rauschzustände ab. Man spürt den steigenden Alkoholpegel geradezu in der Art, wie das Stück geschrieben ist. Es gibt da Passagen, in denen die Figuren aneinander vorbeireden, weil sie den jeweiligen Gesprächen nicht mehr folgen können. Dieses Hin und Her, diese zunehmende Geschwätzigkeit, hat mit dem Alkoholkonsum und dem damit einhergehenden Geisteszustand der Figuren viel zu tun.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-04-13 17:06:13
Letzte nderung am 2018-04-13 17:53:07



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