Christine Gaigg lud in ihren roten Salon - ein mit paravanähnlichen Wänden abgegrenztes kleines Zimmer auf der Bühne des Tanzquartiers. "Meet" - jemanden kennenlernten oder treffen - nennt die oberöstereichische Performerin ihr experimentelles Format, bei dem alles möglich sein kann, aber nichts zwingend sein muss. Ganz wie es die Zuseher, in diesem Fall eigentlich Teilnehmer, zu- und passierenlassen.

Gaiggs jüngste Performance ist eine Weiterführung ihres 2014 uraufgeführten "Maybe The Way You Made Love Twenty Years Ago Is The Answer?", in dem bereits thematisch an die heutige #MeToo-Debatte angespielt wird. Für "Meet" abstrahiert die Performerin eine Aussage des Filmemachers und Künstlers Peter Kubelka: Wenn eine Sache gesellschaftlich überholt ist, wandere diese in ihren eigenen Bereich aus. Nun, Annäherung und Flirten sind eigentlich gesellschaftlich nicht außer Mode geraten, aber dennoch vom #MeToo-Gedanken geprägt. So findet die erotische Annäherung im geschützten Raum der Bühne statt.

Gaigg sitzt nun nackt auf einem Sofa, vor ihr eine Matratze mit Strümpfen und Kleidungsstücken. Die Teilnehmer können sich um sie herum platzieren. "Hast du heute schon geflirtet?", fragt sie. Man beginnt nachzudenken, man antwortet. Gaigg startet einen Flirt mit einem Teilnehmer, indem sie von einem erotischen Erlebnis von vor 20 Jahren erzählt und gleichzeitig diese Handlungen nachspielt. Man erfährt in kompakten 40 Minuten eine kleine Flirt-Schule, auch eine Sensibilisierung für #MeToo. Klingt grenzwertig, ist aber respektvoll und subtil.