Wien. Das Beiwort "neu" hat Roland Geyer für die 13. Saison aus dem Namen gestrichen. Theater an der Wien - das Opernhaus, prangt selbstbewusst auf den Plakaten für die kommende Spielzeit. "Wir sind ja auch das Opernhaus der Stadt Wien", freut sich Geyer über die gelungene Neupositionierung des Hauses seit 2006, die er als Intendant wesentlich geprägt hat, und die man getrost als vollbracht bezeichnen kann. Die Auslastung stimmt (sie lag 2017 bei 95 Prozent), die Produktionen sorgen für Gesprächsstoff, die internationale Presse pilgert zu den Premieren.

Vier Spielzeiten hat Geyer noch als Intendant vor sich, dann wird er im Herbst 2022 nach 16 Jahren an seinen designierten Nachfolger Stefan Herheim übergeben. Für die verbleibenden Saisonen präsentierte Geyer jetzt sein Konzept - es ist ein "Vierjahresplan" mit insgesamt 50 neuen Produktionen. Mit seinem finalen Masterplan will der Intendant - neue Grafik und künstlerische Umrahmung inklusive - in den kommenden vier Jahren einen Überblick über 400 Jahre Opernliteratur bieten, wobei man sich für die Übertitel am Tageslauf mit Morgen, Mittag, Abend und Nacht orientiere. Für die erste Saison, die im Herbst startet, gab Geyer auch Details bekannt. Der Elan und die Detailfreude, mit der er dies am Freitag tat, gemahnte mehr an einen Neubeginn denn an einen nahenden Abschied.

Konkret bedeutet das für 2018/19 viel Barock. So hat man mit "Alcina" zum Saisonauftakt, "Teseo" und "Orlando" gleich drei Händel-Opern im Talon. Hinzu kommt Henry Purcells Semiopera "King Arthur" sowie das Purcell-Pasticcio "Die Zauberinsel" in der Kammeroper. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf Carl Maria von Weber - mit "Euryanthe" und "Oberon". Dazu kommen Schiller-Vertonungen - Rossinis "Guillaume Tell", Verdis "Don Carlos" in kleiner Fassung in der Kammeroper und Tschaikowskys "Die Jungfrau von Orleans" - sowie Mendelssohn Bartholdys Oratorium "Elias" und Bernsteins "Candide".

Dirigent in Residence

Zu den Neuerungen gehört die Schaffung des Postens eines Dirigenten in Residence, den im ersten Jahr Concentus-Musicus-Chef Stefan Gottfried ausfüllen wird. Er wird mit dem Concentus zwei Opern-Produktionen erarbeiten.

Der Blick auf die Leading-Teams bringt einige der Stammgäste des Hauses zurück. So wird etwa Tatjana Gürbaca die "Alcina" inszenieren, Claus Guth den "Orlando" und Torsten Fischer den "Tell". Lotte de Beer wird "Die Jungfrau von Orleans" gestalten, Christof Loy die "Euryanthe" und Puppendompteur Nikolaus Habjan bringt seinen "Oberon" aus München nach Wien. Sein Debüt im Regiesessel feiert der polarisierende Calixto Bieito mit "Elias". Die junge tschechische Regisseurin Barbora Horáková-Joly inszeniert einen Ravel-Offenbach-Doppelabend. Als Orchester sind neben dem Concentus wieder das RSO (unter Jukka-Pekka Saraste), die Symphoniker sowie die Akademie für Alte Musik Berlin (mit René Jacobs am Pult) und Il Giardino Armonico (unter der Leitung von Giovanni Antonini) engagiert.

Einen kleinen Ausblick auf die letzten drei Spielzeiten unter seiner Ägide gab Geyer zum Abschluss ebenfalls. So werden in den Saisonen 2020/21 und 21/22 die Top 3 der vergangenen Jahre erneut gezeigt, während es in der Spielzeit 2019/20 gleich zwei Uraufführungen gibt.