Michaela Ehrenstein und Alfons Noventa.
Michaela Ehrenstein und Alfons Noventa.

Die Freie Bühne Wieden erfüllt immer wieder eine wenig bedankte, aber wichtige Rolle im Kulturleben: Sie macht aus Biografien Theaterstücke und erweckt so ferne Personen zu lebendigen Bühnenfiguren. "Der Fall Alexander Girardi" von Nici Neiss ist ein gelungenes Beispiel, das noch dazu an den 100. Todestag eines als Ausnahmetalent gefeierten Vertreters der eigenen Zunft erinnert.

Dass Girardi sogar der Ifflandring zugedacht war, obwohl er als Operettenstar und Komiker Karriere machte und erst zwei Monate vor seinem Tod ans Burgtheater kam, spricht Bände.

Projektionen liefern auf Martin Gesslbauers Bühne die passenden Hintergründe. In Reinhard Hausers Inszenierung kommentieren immer wieder von Schattenrissfiguren verdeckte Stimmen aus dem Volk das recht öffentliche Leben des Publikumslieblings. Auch Girardis Schattenseiten - ein bisschen Muttersöhnchen, dem Kokain verfallen, bei Frauen wenig einfühlsam ("Ja, das Studium der Weiber ist schwer") - klingen an.

Alfons Noventa meistert die Titelrolle bis zum abschließenden Hobellied mit Bravour. Im Zentrum der Handlung steht der Versuch von Girardis untreuer Ehefrau, Helene Odilon, den Gatten für verrückt zu erklären und ins Irrenhaus einweisen zu lassen. In der Rolle dieser "vom Schicksal gebeutelten femme fatale" glänzt Anna Sophie Krenn. Das Publikum erfährt, dass der dank der Inititative der Schauspielerin Katharina Schratt (Michaela Ehrenstein sorgt liebenswürdig für Guglhupf und einen "Girardi-Rostbraten") eingeschaltete Kaiser Franz Joseph (ein großväterlicher Gerhard Dorfer) diesen Fall zum Anlass nahm, die Bedingungen für solche Einweisungen zu verschärfen.

Für Unterhaltung ist, gekonnt begleitet von Béla Fischer am Klavier, mit viel hörenswertem Gesang, vorwiegend aus Operetten und Raimund-Stücken, aber auch mit Girardis Parade-Stück, dem Fiakerlied, gesorgt. Viel berechtigter Premierenapplaus.