• vom 23.04.2018, 16:45 Uhr

Bühne

Update: 23.04.2018, 16:58 Uhr

Theaterkritik

Publikumsliebling fast im Irrenhaus




  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Heiner Boberski

  • Zum 100. Todestag: "Der Fall Girardi" in der Freien Bühne Wieden.

Michaela Ehrenstein und Alfons Noventa.

Michaela Ehrenstein und Alfons Noventa. Michaela Ehrenstein und Alfons Noventa.

Die Freie Bühne Wieden erfüllt immer wieder eine wenig bedankte, aber wichtige Rolle im Kulturleben: Sie macht aus Biografien Theaterstücke und erweckt so ferne Personen zu lebendigen Bühnenfiguren. "Der Fall Alexander Girardi" von Nici Neiss ist ein gelungenes Beispiel, das noch dazu an den 100. Todestag eines als Ausnahmetalent gefeierten Vertreters der eigenen Zunft erinnert.

Dass Girardi sogar der Ifflandring zugedacht war, obwohl er als Operettenstar und Komiker Karriere machte und erst zwei Monate vor seinem Tod ans Burgtheater kam, spricht Bände.

Information

Theater

Der Fall Alexander Girardi

Freie Bühne Wieden, bis 5. Mai

Projektionen liefern auf Martin Gesslbauers Bühne die passenden Hintergründe. In Reinhard Hausers Inszenierung kommentieren immer wieder von Schattenrissfiguren verdeckte Stimmen aus dem Volk das recht öffentliche Leben des Publikumslieblings. Auch Girardis Schattenseiten - ein bisschen Muttersöhnchen, dem Kokain verfallen, bei Frauen wenig einfühlsam ("Ja, das Studium der Weiber ist schwer") - klingen an.

Alfons Noventa meistert die Titelrolle bis zum abschließenden Hobellied mit Bravour. Im Zentrum der Handlung steht der Versuch von Girardis untreuer Ehefrau, Helene Odilon, den Gatten für verrückt zu erklären und ins Irrenhaus einweisen zu lassen. In der Rolle dieser "vom Schicksal gebeutelten femme fatale" glänzt Anna Sophie Krenn. Das Publikum erfährt, dass der dank der Inititative der Schauspielerin Katharina Schratt (Michaela Ehrenstein sorgt liebenswürdig für Guglhupf und einen "Girardi-Rostbraten") eingeschaltete Kaiser Franz Joseph (ein großväterlicher Gerhard Dorfer) diesen Fall zum Anlass nahm, die Bedingungen für solche Einweisungen zu verschärfen.

Für Unterhaltung ist, gekonnt begleitet von Béla Fischer am Klavier, mit viel hörenswertem Gesang, vorwiegend aus Operetten und Raimund-Stücken, aber auch mit Girardis Parade-Stück, dem Fiakerlied, gesorgt. Viel berechtigter Premierenapplaus.





Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-04-23 16:51:35
Letzte Änderung am 2018-04-23 16:58:17



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Neues ORF-Leitungsteam tritt Dienst an
  2. In der Sargfabrik in die Sauna
  3. Unerwünschte Botschaften
  4. Sorgen um Oleg Senzow
  5. Geistesverwandte Träumer
Meistkommentiert
  1. friedliches landleben
  2. Ein Taktstock für die Dose
  3. Beim Song Contest siegt die Frauenpower - und Cesar Sampson
  4. Israel gewinnt den 63. Song Contest
  5. Französisch schmachten

Werbung



Eleni Foureira aus Zypern während ihres Probe-Auftritts in Lissabon. 

Fritz G. Mayer, Fritz Wotruba, Kirche zur Hl. Dreifaltigkeit, Außenansicht, Wien 23, 1974–1976. Das Siegerfoto mit dem Titel "Venezuela Krise", es zeigt einen 28-jährigen Mann mit brennendem Oberkörper während heftiger Proteste gegen Präsident Nicolas Maduro in Caracas im Mai 2017. 

Romy Schneider wurde am 23. September 1938 als Rosemarie Magdalena Albach in Wien geboren. Die Schauspielerei ist ihr in die Wiege gelegt geworden: Ihre Eltern und sogar ihr Ururgroßvater waren Schauspieler. Ihren Künstlernamen verwendete sie kurz nach ihrer ersten Filmrolle in den 1950ern. Die Schauspielerin Tiffany Haddish posiert auf dem roten Teppich.


Werbung