• vom 23.04.2018, 21:30 Uhr

Bühne

Update: 25.04.2018, 15:48 Uhr

Theaterkritik

In der Kiste landen




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Von Heiner Boberski

  • Mezgolich-Uraufführung im TAG.

Zwei Frauen und drei Männer, die gemeinsam an einer Schauspielschule waren, sehen einander fast 30 Jahre später an einem unheimlichen Ort wieder. Stefan (Raphael Nicholas), der das Treffen arrangiert hat, agiert, rokokohaft kostümiert und manchmal Akkordeon spielend, als Spielleiter wie William Thackeray in seinem 1848 erschienenen Roman "Jahrmarkt der Eitelkeit". Sehr frei nach diesem Buch bringt Margit Mezgolich, die auch Regie führt, ihr neues Stück "Unterm Strich" im Wiener TAG (Theater an der Gumpendorfer Straße) zur Uraufführung.

Die Bühnengestaltung von Alexandra Burgstaller - viele Luftballons und Kisten - sagt schon einiges aus: Es geht um Lebensträume und Lebensbilanzen. Die Handlung führt mit Rückblenden, beginnend im Jahr 1989, als Stefan ein Vorsprechen bei der Gruppe 80 hat (was natürlich für Lacher sorgt, agierte doch dieses Ensemble früher auf der TAG-Bühne), bis in die Gegenwart. Vor dem Hintergrund von Mauerfall und EU-Beitritt, Sonnenfinsternis, 9/11, Finanzkrise, Flüchtlingswelle und Brexit erfährt man von den Beziehungen der Personen, die alle dem Theater längst den Rücken gekehrt haben. Vordergründig dominieren großmäulig die Lebenskünstlerin Becky (Petra Strasser), die ständig neue Geschäftsideen hat, und der skrupellose Ungustl Martin (Georg Schubert), berührender wirken die naive Emma (Lisa Schrammel) und der übermäßig schüchterne Richard (Jens Claßen). Das Stück fragt: Was bleibt "unterm Strich"? Beruht das Schicksal auf Leistung, auf Zufällen, oder zieht jemand die Fäden wie im Marionettentheater? Sind wir alle nur Spielfiguren, die einmal in der Kiste landen?


Theater

Unterm Strich

TAG, Wh. bis 2. Juni




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-04-23 16:51:36
Letzte Änderung am 2018-04-25 15:48:26


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