Glänzte vokal und szenisch: Jonas Kaufmann als Poet Andrea Chénier. - © Staatsoper/Michael Pöhn
Glänzte vokal und szenisch: Jonas Kaufmann als Poet Andrea Chénier. - © Staatsoper/Michael Pöhn

Dieser ernsthafte, melancholische und doch leidenschaftlich für die Liebe und die Revolution brennende Poet passt Jonas Kaufmann nicht nur als Figur wie angegossen. Auch stimmlich ist Umberto Giordanos Andrea Chénier wie gemacht für den deutschen Tenor. Nach Erfolgen in London und München sang Kaufmann die Partie nun erstmals von tosendem Jubel begleitet an der Wiener Staatsoper und ließ die ausladenden und doch sehr fokussierten Arien und Duette in intensivem, gedecktem Glanz erstrahlen.

Diese absolute Kultiviertheit von Kaufmanns Stimmführung, die jedoch nie zum leeren Manierismus verkommt, sondern mit seelenvoller Bestimmtheit gepaart ist, verbindet Jonas Kaufmann auch mit seiner Bühnenpartnerin. Anja Harteros verfügt als seine geliebte Maddalena, die mit ihm im Finale sterben wird, über klare, luftige Linien mit fein dosierten expressiven Steigerungsbögen. Ein Tenor, der selbst in den Höhen das warme Timbre eines Bariton behält, also nie wie ein klischeehafter Tenor klingt; und eine Sopranistin, deren Spitzentöne abgerundet sind von einem weichen Schimmer, die also auch nicht klingt wie eine Sopranistin - gerade mit diesen Fach-untypischen Charakteristika veredelten die beiden Sänger am Montag den Auftakt der aktuellen "Chénier"-Spielserie. Als dritter ließ Bariton Roberto Frontali als präsenter Gérard aufhorchen. Alle drei gaben ihre Rollendebüts am Haus.

Dieses Sängerfest umrahmte - im mittlerweile sehr verstaubten Ausstattungspomp der Otto-Schenk-Inszenierung aus 1981 - Marco Armiliato am Pult. Er ließ das Staatsopernorchester mitunter in süffigen Bögen schwelgen - nicht immer mit Rücksicht auf die Sänger - und setzte auf schmissig-knallige Revolutionklänge.