Im Gleichschritt, Marsch! Acht Performer in Uniformen aus grauen Röcken, weißen Blusen - diese jedoch mit der Knopfleiste auf den Rücken gekehrt -, grauen Stutzen und schweren Schuhen marschieren durch Wien-Favoriten. "Every-one" heißt die Performance des heimischen Choreografen Willi Dorner, der einmal mehr Körper das urbane Umfeld erkunden lässt. Diesmal ist es eine Reise in die Vergangenheit der Wiener Gemeindebauten, in den Beginn der maschinellen Industrialisierung, der Normierung frei von jedweder Individualität.

Wiesenballett

Zackig geht es über die Gudrunstraße in den Emil-Fucik-Hof, wo zuerst auf Papier gedruckt die Worte des Liedes "Ich brauche keine Millionen, ich brauch’ kein Pfennig zum Glück" zu lesen sind - eine Anspielung auf das Lebensgefühl der 1920er und 30er Jahre. Im nächsten Hof wird, begleitet von neugierigem "Wos is’n do los?", ein Wasserballett, Pardon, in diesem Fall Wiesenballett, à la Esther Williams performt, um dann im Gleichschritt im kommenden Hof in einen Formationstanz zu gipfeln. Dieser verdeutlicht das kollektive Denken mit Mitteln der absoluten Synchronität in Schritt und Bewegung zu einem Sound aus Sirenen, Klavier und Xylofon. Später wird auf der Steudelgasse mit einem Revuetanz und schwingenden Beinen sowie einer Stechschrittparade der Verkehr lahmgelegt, die Autofahrer warten wider Erwarten geduldig.

Willi Dorner schafft im Umfeld des Gemeindebaus eine Ambivalenz, die zu denken gibt.