"Davon geht die Welt nicht unter", singt Zarah Leander. Und im Off-Theater in der Kirchengasse entfaltet sich eine Hakenkreuzfahne. Eine zynische Zusammenstellung. Eine Untersuchung des Textes im Hinblick auf seinen historischen Kontext. Lassen sich die Liebeslieder der "politischen Idiotin" Leander also doch als politische Kommentare lesen? Tamara Stern und Ernst Kurt Weigel (Regie und Schauspiel) mühen sich mit "Ich Zarah oder das wilde Fleisch der letzten Diva" (nach einem Text von Franzobel) durch Rechtfertigung, Verurteilung und Absolution. "Der eigentliche Skandal ist, dass du dich noch immer nicht entschuldigt hast." Am Ende tut sie’s doch.

Singen und hinterfragen

1907 in Schweden geboren, wurde Leander spätestens ab 1936 durch ihren Vertrag mit der deutschen UFA zum Filmstar. Bis 1942 arbeitete sie als Schauspielerin und Sängerin im Nationalsozialismus. Franzobel schrieb 2014 für das Vorarlberger Landestheater einen Theatertext, Stern und Weigel haben diesen mit einer mit Meta-Ebenen adaptiert. Lichtstimmungen organisieren die zeitlichen und thematischen Sprünge. Eine selbstreflexive Frage dient als Klammer: Lieber lauter Lieder singen und schunkeln oder sich der Diva historisch-kritisch nähern, die Diva ein wenig dekonstruieren? Passiert dann sowieso beides. Titus Vadon, Dieter Kolbeck und Arnulf Lindner begleiten mit Schlagzeug, Klavier, Cello und Kontrabass. "Das wird die beste Zarah-Leander-Revue", heißt es irgendwann. Neun Lieder sind es geworden. Eine versöhnliche Diven-Biographie.