• vom 10.05.2018, 16:17 Uhr

Bühne


Opernkritik

Watschen, Chihuahuas und Spitzentöne




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    (irr) Da pickt sie wieder, die Ohrfeige - mitten im Gesicht des verdutzten Opfers. Im Fall des "Don Pasquale", dieser Opernkomödie von Gaetano Donizetti (1843), ist die häusliche Gewalt allerdings keine Empörung wert. Die Watschen-Verteilerin ist die Gattin und der Gemahl, nun ja, ist selber schuld: Eitel und vermessen hat sich die alte Titelfigur auf die junge Norina eingelassen. Die macht ihm danach so lang die Opernhölle heiß, bis sie mit seiner Einwilligung in die Arme ihres Traummannes sinken darf.

    Irina Brook hat die Belcanto-Komödie mit den pfiffigen Rhythmen 2015 an der Wiener Staatsoper inszeniert und damit zwar keine Regie-Revolte geschaffen, aber zweieinhalb vergnügte Stündchen. Pasquale behaust hier eine abgewetzte Bar, die durch das Eintreffen der neuen Hausherrin Norina von einer pinken Revolution heimgesucht wird: alles ist da rasch umgefärbt bis zu den Patscherln, dazu setzt es Flamingo-Attrappen und Chihuahua-Fotos an den Wänden. So richtig lebendig wird dieses Interieur aber erst durch die Gefühlswechselbäder. Und die Protagonisten bleiben einander nichts schuldig: Stimmlich im zweiten Frühling, tapst der Pasquale von Roberto De Candia wie ein Tanzbär herum, Danielle de Niese zwitschert wahlweise wie eine Amsel oder eine Spottdrossel, und der hünenhafte Adam Plachetka bürgt für Slapstick und kernige Wuchttöne. Gewöhnungsbedürftig allein der Tenor von Antonino Siragusa (Ernesto): Er verfügt über enorme Intensität, schleift Spitzentöne aber gern von unten an. Frédéric Chaslin sorgt im Orchestergraben für eine aufgeweckte Gesamtleistung und hält auch den Chor auf Linie: Applaus.


    Oper

    Don Pasquale

    Wiener Staatsoper

    Wh.: 14., 16. und 19. Mai




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    Dokument erstellt am 2018-05-10 16:21:40


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