• vom 10.05.2018, 16:19 Uhr

Bühne

Update: 10.05.2018, 17:45 Uhr

Theaterkritik

Verbrechen, Versöhnung




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Von Heiner Boberski

  • Sehenswerte "Donadieu"-Produktion der Wiener Scala.

Ein ins Feuer starrender Mann in einer Halle mit langem Tisch, Stühlen, Schreibpult, Glocke und Treppe; Gesänge im Hintergrund und eine Passage aus Conrad Ferdinand Meyers Ballade "Die Füße im Feuer" - das vermittelt jene Atmosphäre, die das 1953 uraufgeführte Schauspiel "Donadieu" braucht. Die werkgetreue Inszenierung von Bruno Max, der mit Marcus Ganser die Bühne wirkungsvoll mitten im Publikum gestaltet hat, zeigt im Theater Scala die ungebrochene Kraft des zu Unrecht kaum gespielten Autors Fritz Hochwälder. Einheit des Ortes, der Zeit und der Handlung: Eine Historie, deren Beziehung zu heute sofort verständlich ist, zieht das Publikum ohne Pause 100 Minuten lang in ihren Bann.

Am Beispiel eines alten Religionskrieges - Katholiken gegen Hugenotten im Frankreich des 17. Jahrhunderts - greift Hochwälder eine gespenstisch aktuelle Thematik auf: Kriegsverbrechen an der Zivilbevölkerung, der Umgang mit den Tätern, das von Misstrauen auf beiden Seiten begleitete Bemühen um Frieden. Zugleich warnt das Werk vor religiösem Fundamentalismus.

Information

Donadieu
Theater Scala Wien, bis 26. Mai

Hochwälders Schlossherr Donadieu (schroff gespielt von Clemens Aap Lindenberg) drängt auf Vergeltung, während seine Tochter Judith (blass, aber passend, Alina Bachmayr-Heyda) die Rache Gott überlassen will. Die Darsteller der beiden königlichen Offiziere, des Bösewichts Du Bosc (Dirk Warme) und des sympathischeren Lavalette (Wolfgang Lesky), machen gute Figur. Als zwischen die Fronten geratener Dichter Escambarlat ragt noch Bernie Feit aus dem starken Ensemble heraus. Viel Applaus und Bravo-Rufe.





Schlagwörter

Theaterkritik, Scala, Donadieu

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-05-10 16:24:40
Letzte Änderung am 2018-05-10 17:45:00



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