Der Autor hat zehn Jahre am Stoff gearbeitet. Hat sich Afrika, nein, nicht einem Staat, sondern dem ganzen Kontinent in all seinen Facetten gewidmet. Er hat dabei ein monströses Werk geschaffen, das nun auf knappe 1.500 Blätter gekürzt uraufgeführt wurde. Man hat Wochen lang geprobt, das Team ist von 20 Personen auf einen verbleibenden Schauspieler geschrumpft. So stehen sie dann vor dem Publikum, der Autor, der sein eigener Regisseur ist, und der alleingelassene Darsteller von über 450 Figuren in diesem Afrika-Monster-Trip. Und sie zeigen den verzweifelten Kampf des Theaters um die Darstellung von Elend, Unterdrückung, Ausbeutung und Machtlosigkeit.

"Was willst du sagen über einen Haufen Scheiße!", schreit der bald schon nackte Hauptdarsteller. Und versucht es dennoch. Mit "Abendstimmung Afrika Digitalprint" haben Léon Engler und Michael Schlecht ihre vierte Arbeit für die Drachengasse realisiert.

Entstanden ist eine wilde und trashige Satire über die endlose "Liste der Ungerechtigkeiten" und unsere unstillbare Gier nach jedem nur denkbaren "Haufen Scheiße", um überhaupt noch Geschichten erzählen zu können.

"Vielleicht sollten wir keine Theaterstücke über das Elend von anderen machen", resignieren Neuner und Lüps nach knapp 90 überbordenden, bitterbösen, bild- und phrasenstarken Theaterminuten. Heiß ist es geworden im "großen" Saal. Erleichtert und ob der Ehrlichkeit und Selbstironie dieses gelungenen Versuchs über das Scheitern des Scheiterns auch verdient starker Applaus.