• vom 16.05.2018, 16:01 Uhr

Bühne


Theater

Das erste Mal zum Muttertag




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Von Walter Hämmerle

  • Bernhard Görgs Monolog "Scharlachrot" wird zur abgründigen Höllenfahrt eines ungelebten Lebens.

Alois Frank als Friedrich Carl Langmann.

Alois Frank als Friedrich Carl Langmann.© W. Bock Alois Frank als Friedrich Carl Langmann.© W. Bock

Wien. Von Müttern und ihren Söhnen: Sophokles und Freud haben die im Mythos angelegte inzestuöse Versuchung zum Thema gemacht. "Muttersöhnchen" ist der Alltagsbegriff für eine aus der Bahn geworfene Mutter-Sohn-Beziehung. Und trotzdem stimmt, dass die Mutter die erste große Liebe im Leben eines jeden Mannes ist. Beide müssen dann halt auch loslassen können.

Die Abgründe, die aufreißen, wenn dies nicht gelingt, hat nun Bernhard Görg in seinem jüngsten Theaterstück nachgezeichnet, das am Dienstag im Wiener Theater Center Forum uraufgeführt wurde. "Scharlachrot" handelt als Monolog von der Tragödie des Jugendstrafrichters Friedrich Carl Langmann, gespielt von Alois Frank. Langmann sieht sich selbst als brillanten Juristen, wie schon sein Vater ein brillanter Jurist gewesen ist. Der Sohn wie der Vater leben ihr Leben im Schatten der dominanten Mutter/Ehefrau. An deren Erwartungen zerbricht erst der Vater, und dann - auf offener Bühne - der Sohn. Wie, daraus macht der ehemalige Manager und langjährige ÖVP-Politiker Görg (Regie: Eva-Christina Binder) eine Horrorgeschichte.


Die Lebensbeichte dieses Richters erzählt Frank mit starker Präsenz, während er sich auf ein Rendezvous penibelst vorbereitet. Eine große Chance, ist er doch daran gescheitert, eine normale Beziehung zum anderen Geschlecht aufzubauen. Einen sexuellen Übergriff als pubertierender 17-Jähriger gegenüber einer Mitschülerin trägt er als Mühlstein mit sich herum, nicht zuletzt als Damoklesschwert für seinen ersehnten Aufstieg zum Höchstrichter.

Ihr Sohn als Höchstrichter: Das ist auch der innigste Wunsch der Mutter, die dem Filius deshalb eine entsprechende Robe in Scharlachrot als Geschenk zum Studienabschluss schneidern ließ. Diese Robe trägt der Sohn zum ersten Mal beim folgenden Muttertag, das zweite Mal, um dem Sexleben seiner scheiternden Ehe neuen Schwung zu verleihen - mit absehbar entwürdigenden Folgen. Und das dritte Mal jetzt, um die sehnsüchtig erwartete Dame für sich einzunehmen.

Was es mit dieser Dame auf sich hat, soll hier nicht verraten werden. Görgs Stück beginnt als Farce und endet als Abgrund, von der bürgerlichen Fassade bleiben die Ruinen eines ungelebten Lebens. Dass dieser Gescheiterte sich zum Richter über andere Gescheiterte berufen fühlt, verstärkt das beabsichtigte Unbehagen. Langer Applaus, sehr zu Recht.

Theater

Scharlachrot

Theater Center Forum

Bis 19. Mai




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Dokument erstellt am 2018-05-16 16:06:55


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