Adrette Eleganz: Anna Gabler als Gräfin. - © Staatsoper, Pöhn
Adrette Eleganz: Anna Gabler als Gräfin. - © Staatsoper, Pöhn

Sein Abschied von der Bühne ist Richard Strauss mit der Oper "Capriccio" wahrlich gelungen. Das raffinierte Konversationsstück lässt das künstlerische Schaffen des Tonsetzers Revue passieren, vor allem aber die Gattung Oper über sich selbst reflektieren - auch mit einem Lächeln auf den Lippen. "Eine Oper", heißt es hier, "ist ein absurdes Ding."

Die schöne Gräfin Madeleine ist hin- und hergerissen zwischen einem Poeten und einem Komponisten, die beide um sie werben. Doch deren Kampf gilt eigentlich der Stellung ihrer Künste, die Waffe ist die jeweilige Kunstform. Ist die Musik oder der Text für eine Oper wichtiger? Madeleine vermag dies nicht zu beantworten; es läuft naturgemäß auf eine Anerkennung beider Komponenten hinaus.

Musikalisch verlangt das Stück seinen Sängern einiges ab. Anna Gabler in ihrem Rollendebüt als Gräfin legt adrette Eleganz an den Tag und agiert energisch, mit spitzem Timbre, das sich jedoch mehr und mehr erwärmt. Markus Eiche als Graf bietet mit seinem satten, warmen Klang einen schönen Ausgleich - schade, dass seine Rolle nicht mehr vorsieht.

Michael Schade und Adrian Eröd konkurrieren bereits zum wiederholten Male miteinander in ihren Rollen als Flamand und Olivier, ebenso bereits bekannt Angelika Kirchschlager als Clairon sowie Wolfgang Bankl als La Roche. Allesamt machen sie diese Aufführung zu einem stimmigen und farbenprächtigen Spektakel, das in der stringenten Inszenierung von Marco Arturo Marelli mit einem bewegten Bühnenbild in warmen Tönen schillert. Am Ende steht, untermauert auch von einem einfühlsamen Orchester (Dirigent: Michael Boder), eine wunderbare Wertschätzung für das Gesamtkunstwerk.