Auf YouTube gibt es einen Kanal, der heißt "Sommers Weltliteratur to go". Da werden wichtige Werke der Prosa und des Theaters in kurzen und komischen Videos nacherzählt - mit der Hilfe von Playmobilfiguren. Dort findet man auch einen Schnelldurchlauf von "Macbeth". Bei Antú Romero Nunes‘ Inszenierung von Shakespeares berühmtem Massakerdrama fühlt man sich unwillkürlich daran erinnert. Nicht nur, weil auch hier, wie es bei "Weltliteratur to go" heißt, "ein paar Adelige geizig unterschlagen werden".

Nunes hat "Macbeth" auch kompakt eingedampft, auf 90 Minuten. Im Unterschied zum werktreuen YouTube-Referat lässt er aber auch Handlungsteile forsch weg. Unter anderem das Ende des Stücks. Shakespeare-Puristen kann man also getrost davon abraten, diese neue Produktion des Burgtheaters zu besuchen. Sie werden nicht verzeihen, dass Nunes auch dem Stück das Messer metzelnd angelegt hat.

Groteske Mischung aus Nosferatu und Riffraff


Auch personell hat Nunes eingespart: Im Burgtheater spielen nur drei Schauspieler in dieser "Macbeth"-Inszenierung. Sie sind freilich nicht die einzigen Menschen auf der Bühne (Stéphane Laimé), die wie eine Spiegelung des Theater-Publikumsraumes aussieht. Mit dem Unterschied, dass in dieser Burg (Wortspiel!) keine Sitzreihen stehen, sondern ein Pentagramm auf den Boden gemalt ist. Noch bevor sich dort die drei Hexen, die die ersten Rollen von Christiane von Poelnitz, Ole Lagerpusch und Merlin Sandmeyer sind, treffen, sieht man auf der hinteren Bühne weißgewandete Kinder um ihr Leben schreien und rennen. Man kann sich schon ungefähr vorstellen, warum.

Als Kontrast zur Unschuld dieser Kinder sind die drei Hexen, die sich später in Macbeth (Lagerpusch), Lady Macbeth (Poelnitz), König Duncan beziehungsweise Banquo (Sandmeyer) verwandeln sollen, blutrot gekleidet (Kostüme: Victoria Behr). Sie sehen reichlich splatter-horrorfilm-besudelt aus: wie eine groteske Mischung aus Nosferatu und dem Riffraff aus der "Rocky Horror Picture Show". Der König steckt trefflich lächerlich in einer roten Windelhose, darüber weht sein Hermelin. Seine Papierkrone setzt er sich erst beim zweiten Anlauf richtig auf.

Sandmeyers Duncan ist nun wirklich nicht sehr ehrfurchtgebietend. Er reckt gemeinsam mit der Lady, auf der er es sich erst in einer verqueren Pieta-Pose gemütlich gemacht hat, dem Macbeth den Dolch entgegen, der sich schließlich den immer wieder gewisperten "Heil dir, Macbeth"-Rufen und seiner einflüsternden Gattin nicht erwehren kann. Die Schlüsselszene, in der Macbeth mit den zwei blutigen Messern von der Meuchelei zurückkommt, hat Nunes gleich zweimal inszeniert. Einmal gibt Lagerpusch den Macbeth hart atmend als vom eigenen Tun erschüttert, während seine Frau ihren Ekel schnell überspielt, dann packt sie beide die Ekstase. Beim nächsten Mal kehrt Macbeth gewaltgetrieben von der Tat zurück, die Wut auf seine manipulative Gattin ist beklemmend spürbar.