• vom 28.05.2018, 16:18 Uhr

Bühne

Update: 28.05.2018, 16:36 Uhr

Theaterkritik

Garantiert nicht brennbar




  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Martin Pesl


    Dieser Hocker! Für ihre ohnehin schon sparsam ausgestattete Varieténummer müssen sich "das Mädchen" und ihre zwei austauschbaren "Boys" mit kleinlichem Behördenkram auseinandersetzen: Hier stellt eine Provinzbühne einen zu niedrigen Hocker bereit, woanders einen mit Lehne. Als sie selbst einen mitbringen, müssen sie Bestechungsgeld zahlen, weil er brennbar ist und nicht den feuerpolizeilichen Regeln entspricht. Oft spielen sie dennoch vor leeren Reihen, weil sich keiner für sie interessiert.

    In seinem in ironische Verse gefassten Kurzstück "Music Hall" widmet sich der 1995 verstorbene Autor Jean-Luc Lagarce Niederungen des Kleinkünstlerdaseins. Freilich muss gerade das Ensemble des Theaters in der Josefstadt solche demütigenden Armseligkeiten am wenigsten fürchten. Dass das Stück hier ausgegraben wird, wirkt leicht gehässig. So lässt denn auch die ganze Erzählung kalt. Allzu mühsam baut sie sich auf, mit allzu dünnem Ergebnis. Selbst Mord und Intrigen im Trio erweisen sich als haltlose Gerüchte.

    Information

    Theater
    Music Hall
    Josefstadt Probebühne
    Wh.: 30. Mai, 10., 11., 21., 29. Juni

    Die Schuld der jungen Regisseurin Clara Rybaczek ist das nicht. Sie führt ihre Spieler Susanna Wiegand, Ljubiša Lupo Grujčić und Markus Kofler exakt und peppt den Abend mit kleinen clownesken Ideen auf. Gleich zu Beginn weckt eine stumme Pyromanie-Nummer Interesse, danach wird den Text auf einer gewissen dramatischen Höhe gesprochen. So hält Rybaczek erstaunlich lange die Illusion aufrecht, es werde etwas Wichtiges verhandelt. Man darf sie, seit 2013 Assistentin am Haus, gern mit einem gehaltvolleren Stoff betrauen.





    Leserkommentare




    Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


    captcha Absenden

    * Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


    Dokumenten Information
    Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
    Dokument erstellt am 2018-05-28 16:25:05
    Letzte Änderung am 2018-05-28 16:36:04



    Beliebte Inhalte

    Meistgelesen
    1. "Fernsehen bietet plötzlich Kinostoffe"
    2. "Lucia di Lammermoor" mit hohen Tönen und niedriger Spannung
    3. Bruno Ganz ist tot
    4. "Hausaufgaben versauen die Lust"
    5. Goldener Bär für "Synonyme"
    Meistkommentiert
    1. "Es war ohnehin ein Ausländer"
    2. Thomas Bernhard, noch immer - naturgemäß
    3. Unsoziale Medien
    4. Mit Facebook im Bett
    5. "Grâce à dieu": Den Schmerz zerreden

    Werbung



    Der Deutsche gab am Pult im Goldenen Saal des Musikvereins den Kapellmeister Deluxe.

    Förderpreisgewinner Christoph Fritz mit Moderatorin Verena Scheitz und "vormagazin"-Chefredakteur Christoph Langecker. Peter Handke bei der Verleihung des 19. Wiener Theaterpreises "Nestroy" im Theater an der Wien. Hier mit dem Preis für sein Lebenswerk.

    Neo-Viennale-Chefin Eva Sangiorgi (links) mit der Regisseurin des Eröffnungsfilms Alice Rohrwacher "Der Bauerntanz", entstanden um 1568.


    Werbung