Dieser Hocker! Für ihre ohnehin schon sparsam ausgestattete Varieténummer müssen sich "das Mädchen" und ihre zwei austauschbaren "Boys" mit kleinlichem Behördenkram auseinandersetzen: Hier stellt eine Provinzbühne einen zu niedrigen Hocker bereit, woanders einen mit Lehne. Als sie selbst einen mitbringen, müssen sie Bestechungsgeld zahlen, weil er brennbar ist und nicht den feuerpolizeilichen Regeln entspricht. Oft spielen sie dennoch vor leeren Reihen, weil sich keiner für sie interessiert.

In seinem in ironische Verse gefassten Kurzstück "Music Hall" widmet sich der 1995 verstorbene Autor Jean-Luc Lagarce Niederungen des Kleinkünstlerdaseins. Freilich muss gerade das Ensemble des Theaters in der Josefstadt solche demütigenden Armseligkeiten am wenigsten fürchten. Dass das Stück hier ausgegraben wird, wirkt leicht gehässig. So lässt denn auch die ganze Erzählung kalt. Allzu mühsam baut sie sich auf, mit allzu dünnem Ergebnis. Selbst Mord und Intrigen im Trio erweisen sich als haltlose Gerüchte.

Die Schuld der jungen Regisseurin Clara Rybaczek ist das nicht. Sie führt ihre Spieler Susanna Wiegand, Ljubiša Lupo Grujčić und Markus Kofler exakt und peppt den Abend mit kleinen clownesken Ideen auf. Gleich zu Beginn weckt eine stumme Pyromanie-Nummer Interesse, danach wird den Text auf einer gewissen dramatischen Höhe gesprochen. So hält Rybaczek erstaunlich lange die Illusion aufrecht, es werde etwas Wichtiges verhandelt. Man darf sie, seit 2013 Assistentin am Haus, gern mit einem gehaltvolleren Stoff betrauen.