Wien. "Hallo und herzlich willkommen bei ‚Vienna - All Tomorrows‘, Ihrer innovativen Stadtmanagementlösung", so wird man im Volx/Margareten, der Nebenspielstätte des Volkstheaters, zum Spielauftakt begrüßt. Die jeweils neun Besucher werden per Zufallsprinzip drei Gruppen zugeteilt: Die Autorin findet sich unverhofft in der Gruppe der Autoritären wieder, es gibt noch Technokraten und Humanisten. Gemeinsam betritt man den leeren Bühnenraum, am Boden ist ein 9 mal 9 Meter großer Wien-Stadtplan aufgemalt. Jedes Dreierteam erhält ein Tablet. Auf "on" drücken und es geht los.

Wien im Jahr 2023. Österreich ist aus der EU ausgetreten, daraufhin sagt sich Wien von Österreich los, bildet einen Mini-Staat und kämpft ums Überleben. Die drei Fraktionen sollen für die Dauer einer Stunde im Simulationsspiel "Vienna - All Tomorrows" nicht nur über die Zukunft der Stadt entscheiden, sondern auch noch zur stärksten Fraktion aufsteigen.

Mastermind Georg Hobmaier und sein Team haben in den vergangenen zwölf Wochen das Projekt aus dem Boden gestampft. "Wir verwenden zum Teil völlig neue Technologien, die eigens dafür entwickelt wurden." Mit dem Prototyp beweist Volkstheater-Intendantin Anna Badora Pioniergeist. Etwas Vergleichbares hat es auf heimischen Bühnen noch nicht gegeben. Via Tablet treffen die Spieler Entscheidungen, die Fragen werden in 3D-Simulation auf dem übergroßen Stadtplan visualisiert. Man steht vor so kniffligen Problemen wie: Soll Disney die Stadt aufkaufen und in einen Vergnügungspark verwandeln? Dann wiederum muss man sich mit Arbeitslosigkeit und dem Klimawandel herumschlagen, schließlich kommt es zu einem Unfall im Atmokraftwerk Temelin. Derlei politische Hardcore-Themen werden aufgelockert durch nicht ganz ernst gemeinte Fragen wie jene, ob man Wien offiziell für gottlos erklären wolle.

Was ist noch real?


In rasantem Tempo wird man mit Fragestellungen und möglichen Antworten konfrontiert, die man entweder annehmen oder ablehnen kann. Bisweilen kommen alle Teams zusammen, um im Kollektiv eine Aufgabe zu lösen. Die Autoritären stehen dabei regelmäßig vor der drängenden Frage, was in den zum Teil recht grotesken Lösungsvorschlägen denn nun die angemessen autoritäre Haltung wäre - die Fraktion gehört am Ende des Spiels auch zu den Verlierern, während die Technokraten, offenbar gewiefte Gamer, abheben.

Der Tiroler Georg Hobmeier arbeitet seit Jahren an der Schnittstelle zwischen Theater und Medien. Mit der Künstlergruppe gold extra setzte der 41-Jährige etwa das vielfach ausgezeichnete Onlinespiel "Frontiers" um, in dem es um die EU-Außengrenzen geht. 2014 gründete Hobmeier das Designstudio Causa Creations (CC) für Social Awareness Games. Jüngstes Beispiel für ein Computerspiel der Marke CC: "Path Out" (Deutsch: Fluchtweg), damit lässt sich eine real geschehene Flucht von Syrien nach Österreich nachspielen.