Diese Aufführung bringt Sie in Gefahr. Jeder Besucher muss unterschreiben, dass er nicht unter Asthma, Klaustrophobie, Epilepsie, Migräne, Bluthochdruck und Ähnlichem leidet. Wer sich frei davon fühlt, nimmt in der Halle G vor einer großen Leinwand Platz, wie im Kino. Noch einmal wird man eindrücklich ermahnt: "Wenn Ihnen schlecht wird, heben Sie die Hand, es wird Ihnen geholfen." Dann beginnt die Performance mit dem nichtssagenden Titel "Feed.X".

Elektronische Musik, die unvermeidliche Soundlandschaft der Avantgarde, brutzelt aus den Lautsprechern. Flackernde Bilder erobern die Leinwand, es sind klare geometrische Formen, ganz in Schwarz-Weiß, die auf optische Irritation abzielen. Die Ersten verlassen bereits den Raum. Die strengen Gebilde werden abgelöst von weichen Konturen, menschenähnliche Wesen, die durch das eigenwillige Bilderuniversum schweben. Die Töne haben nun etwas fast Sakrales, Meditatives. Plötzlich, ganz ohne Vorwarnung, werden die Nebelmaschinen angeworfen.

Irrsinnige Kreationen


Bald ist man komplett eingehüllt von dicken Nebelschwaden. Töne und Geräusche nimmt man nur mehr wie ein fernes Echo wahr. Noch ist alles grau in grau, doch bald beginnt so etwas wie die schiere Invasion der Farben, Formen und Klänge. Einzelbilder sind nicht mehr zu isolieren, es lässt sich kein Sinn ablesen, aber das Ganze entwickelt einen unfassbaren Sog. Gebannt sitzt man da, inmitten dieser künstlichen Nebelwolken und lässt den Angriff der Bilder auf die Netzhaut zu.

Diese Intensität hat zur Folge, dass man ein wenig das Zeitgefühl verliert. So unverhofft, wie es begonnen hat, endet es auch wieder. Die 40 Minuten sind vergangen wie im Sturzflug.

Der Mastermind von "Feed.X", Kurt Hentschläger, 58, kommt aus Linz, lebt seit langem in New York, war Teil des Künstlerduos Granular-Synthesis. In den vergangenen Jahren hat er sich mit seinen immersiven Bild- und Tonwelten einen Namen gemacht, von der Biennale bis zum ZKM, von New York bis Tokyo sind seine irrsinnigen Kreationen zu sehen, nun sind sie im Rahmen der Wiener Festwochen zu erleben. Man sollte sie nicht verpassen.

Performance

Feed.X

Halle G, bis 3. Juni