Der Krieg zerstört auch die Leben derer, die nicht eingerückt sind: Jasmin Reif. - © Bettina Frenzel
Der Krieg zerstört auch die Leben derer, die nicht eingerückt sind: Jasmin Reif. - © Bettina Frenzel

Musik und Projektionen entführen in eine andere Zeit, ehe in der Wiener Scala der Vorhang aufgeht: "Der Preispokal" ("The Silver Tassie") des Iren Sean O’Casey spielt gegen Ende des Ersten Weltkrieges. Junge Iren, die gerade noch mit ihrem Fußballteam den Meisterschaftspokal errungen haben, ziehen mit der britischen Armee ins Feld, übermütig, als ob nur ein neues Match anstünde. Zum Schluss hat der Krieg, aus dem einige nicht oder nur als Krüppel heimgekehrt sind, bei allen tiefe Spuren hinterlassen. "Der Herr hat’s gegeben, der Mensch hat’s genommen", so das Fazit einer der mäßig frommen Hauptfiguren.

O’Casey, Pazifist, Sozialkritiker und kein Freund des gewaltsamen irischen Aufstandes, stieß in seiner Heimat zunehmend auf Ablehnung und übersiedelte 1927, als man "Der Preispokal" nicht in Dublin uraufführen wollte, nach England. Das Stück weist aber auch Klischees und Schwächen auf. Es pendelt seltsam zwischen Komik, etwa in einer schrägen Telefonszene, und Tragik, wenn der Goalgetter von einst, nun verbittert im Rollstuhl sitzend, seine Braut an einen Teamkollegen verliert.

Viele Details hat man schon
oft gesehen: etwa den brutalen Ehemann, der die Wohnungs-
einrichtung zertrümmert, die bigotte junge Frau mit geheimen Leidenschaften, das Behandeln von Patienten als Nummern. Die abschließende Tanzszene mit Gerippen - die Luftballons sind vorher zerplatzt - sagt nur aus: Die einen sind tot, und die anderen müssen weiterleben. Die solide Inszenierung von Bruno Max fördert eine interessante Ausgrabung zutage. Das Ensemble agiert beachtlich, auch beim Singen und Trommeln.