"Neulich hat mein Freund und Kollege Michael ,Bully‘ Herbig in aller Öffentlichkeit über mich gesagt, ich wäre für die deutschsprachige Comedy das, was Elvis Presley für den amerikanischen Rock’n’Roll gewesen ist. Ich wiederhole das hier gern, weil es so gut klingt und es sonst womöglich keiner tut." Bescheidenheit ist eine Zier, doch lustiger ist’s ohne ihr, dürfte das Motto von Otto sein. Der ostfriesische Komikerstar hat sich dieses fremdmündliche Denkmal in seiner Autobiografie "Kleinhirn an alle" gesetzt. Da erzählt der dünne Mann mit den noch dünneren Haaren seine Lebensgeschichte. Dass der ewig im Häschengalopp über die Bühne hopsende Mann heuer auch schon 70 wird - am 22. Juli, um genau zu sein -, mag überraschen. Nichts macht altersloser als konsequente, hingebungsvolle Albernheit. Jung hält außerdem Musik - das sieht man an Rockgranden jenseits der 70 à la Mick Jagger - und die macht Otto Waalkes diesen Freitag auch beim Nova Rock Festival. Da wird er mit seiner Band "Friesenjungs" eine spätnächtliche Einlage geben.

Wer das Oeuvre des norddeutschen Komikers kennt, weiß, dass Musik seit jeher ein wichtiges Element seiner Gags und Parodien war. Unvergessen etwa seine Tour durch die deutsche Popgeschichte im Gewande des Märchens "Hänsel und Gretel" (von Falco bis Nena). Oder der "Schwamm-drüber-Blues", bei dem er mit vibrierender Mundharmonika makabre Witze untermalt wie "Am Ende stirbt dann der Kreuzworträtselkönig und er wird begraben: drei Meter senkrecht und zwei Meter waagrecht."

Siehste!

Eine Musikkarriere hatte Waalkes auch angestrebt, aber schnell war ihm klar, dass die Menschen ihm lieber zuhörten, wenn seine Coverversionen nicht brillant, sondern amüsant waren. In seiner "Ottobiografie" grübelt Waalkes ein wenig über das Geheimnis seines Erfolgs nach: "Worin meine Begabung und meine Fähigkeiten liegen, habe ich mir natürlich auch irgendwann überlegt. Viel ist nicht dabei herausgekommen. Die Kombination aus Musik und Komik ist nicht so selten, meine Dreistigkeit, damit umzugehen, vielleicht schon."

An Vorbildern war das Nachkriegsdeutschland nicht gerade reich, wenn man Waalkes glaubt: "Komiker waren in Deutschland seltener als Nobelpreisträger.", schreibt er. Und nennt dann die eine große Ausnahme, die sein Schicksal werden sollte: Heinz Erhardt. Vom dicklichen, unbeholfen wirkenden Mann mit der Optik eines Versicherungsbeamten inklusive Krankenkassenbrille schaute sich Waalkes den spielerischen Umgang mit Sprache ab. Erhardt war berühmt für leise Vers-Schönheiten wie: "Ein Nasshorn und ein Trockenhorn/ spazierten durch die Wüste/ da stolperte das Trockenhorn,/ das Nasshorn sagte: ,Siehste!‘"