Darf in Wien fliegen: Sir John Falstaff, in Gestalt von Ambrogio Maestri. - © Staatsoper/Ashley Taylor
Darf in Wien fliegen: Sir John Falstaff, in Gestalt von Ambrogio Maestri. - © Staatsoper/Ashley Taylor

Ein Bauch kann mitunter hilfreich sein. Er schützt zum Beispiel vor dem Ertrinken. Bei Sir John Falstaff, dem Mann mit der legendären Wampe, klappt das jedenfalls. Finanziell sieht es dagegen schlecht für ihn aus. Abhilfe sollen die hübschen und vor allem reichen Damen Alice und Meg schaffen. Dass das Vorhaben wenig erfolgreich sein wird, ist aus Verdis "Falstaff" bekannt. Wir wissen: Wer den Schaden hat, hat auch den Spott.

Ambrogio Maestri fügt sich seinem Schicksal als gefoppter Dickwanst unaufgeregt gelassen. Der Italiener sang die Partie schon bei der Staatsopernpremiere 2016 und ist nun für die Wiederaufnahme zurückgekehrt. David McVicars opulente Inszenierung, damals auf Wunsch des dirigierenden Zubin Mehta nah an der Entstehungszeit von Shakespeares Vorlage gehalten, ist jetzt großteils neu mit Ensemblemitgliedern besetzt. Hervorstechend Andrea Carroll als hinreißend spielende und silbrig hell tönende Nannetta, auch Olga Bezsmertna in der Rolle der Alice Ford mit sicher geführter Stimme und souveräner Gestaltung. Für die stets ausdrucksstarke Monika Bohinec liegt die Rolle der Mrs. Quickly eine Spur zu tief. Das Damenquartett komplettierte die sehr gute Margaret Plummer; den verliebten Fenton gab der stimmstarke Jinxu Xiahou. Wie viel Noblesse und Baritonschmelz in dem unschönen Gefühl der Eifersucht stecken können, demonstrierte Christopher Maltman (Ford). Am Pult des Orchesters agierte James Conlon behände und umsichtig: Die vielen Stimmungswechsel gelangen gut; die heiklen Ensembles werden sich noch einspielen.