Vor 25 Jahren gründete Peter Janisch die Festspiele Gutenstein, die seitdem (bis auf eine kurze Unterbrechung) alljährlich ein Werk des Klassikers zeigen. Seit nunmehr drei Jahren leitet die Schauspielerin Andrea Eckert die Sommerbühne in Gutenstein, ihr glückte eine Modernisierung des Spielortes (siehe Interview). Die Jubiläumssaison begeht sie mit einem der berühmtesten Raimund-Stücke: "Der Verschwender", Veronika Glatzner wird inszenieren, die Paraderolle des Valentin (Hobellied!) übernimmt Holger Schober, Premiere ist am 11. Juli.

Der Sommer kann kommen.

Intendantin Andrea Eckert über die Raimundspiele in Gutenstein

"Wiener Zeitung": Wie kam es dazu, dass Sie Intendantin der Raimundspiele Gutenstein wurden?

Andrea Eckert: Gutenstein tauchte auf einmal als Option auf, von Freunden an mich herangetragen. Und da Theater mein Leben ist und ich es spannend finde, mich in verschiedenen Bereichen auszuprobieren, habe ich zugesagt. Mein Berufsweg ist nie orthodox verlaufen, ich bin seit langem nicht mehr fix an einem Haus engagiert und mit meinen Programmen viel im Ausland unterwegs. Da war Gutenstein als sommerliches Standbein eine schöne Idee. Es war ein Sprung ins kalte Wasser, den ich keine Sekunde bereut habe. Die Verantwortung für ein ganzes Unternehmen zu tragen, ist eine aufregende Erfahrung. Mit Freude registriere ich den guten Kartenverkauf, der Zuspruch des Publikums zeigt mir, dass wir den richtigen Weg eingeschlagen haben.

Was meinen Sie damit?

Wir haben Raimund behutsam seiner Biedermeierlichkeit entkleidet und interessieren auf diese Weise andere Publikumsschichten als bisher für diesen großen Dichter.

Sie haben bisher nur Regisseurinnen engagiert, ist das Programm?

Frauen zu fördern und zu unterstützen, ist mir ein großes Anliegen; selbstverständlich sind auch begabte männliche Regisseure willkommen. Die Verabredung, die ich mit der Gemeinde getroffen habe, ist lediglich, jedes Jahr eine andere Regiehandschrift vorzustellen.

Welche Verbindung besteht zwischen Raimund und dem Ort Gutenstein?

Raimund war ein labiler, der Melancholie zuneigender Mensch, der trotz seines unglaublichen Erfolgs als Schauspieler und Dramatiker oft von Ängsten und Depressionen geplagt war. Die wunderbare Natur um Gutenstein ließ ihn zur Ruhe kommen. Sooft er konnte, hat er sich hierher zurückgezogen und in seiner schönen Villa Kraft getankt. Er ist viel im Piestingtal gewandert und wurde nach seinem Selbstmord auf dem Friedhof des Ortes zur letzten Ruhe gebettet.

Warum findet sich Raimund seltener auf den Spielplänen als etwa sein Zeitgenosse Nestroy?

Nestroy ist leichter konsumierbar, hat schärferen Witz, ist politischer. Raimunds Zauberwelten erschließen sich dem Publikum von heute nicht so leicht, seine Figuren sind versponnen, die Stücke bergen ein Geheimnis. Auch mir fiel der Zugang anfangs gar nicht leicht, erst die Beschäftigung mit seiner Biografie hat mich dem Dichter nahegebracht. Umso mehr freue ich mich, dass ich für das kommende Jahr ein Stück in Auftrag geben konnte, das Raimunds Leben zum Inhalt hat.

Eignet sich Raimund überhaupt als Autor für Sommertheater?

Da muss man zunächst den Begriff Sommertheater hinterfragen. Ich wehre mich dagegen, dass man unter Sommertheater nur leichte Kost versteht. Raimund ist ein großartiger Dramatiker, der sich grundsätzlich für jede Form des Theaters eignet.