Wiener Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler und Neo-Festwochen-Leiter Christophe Slagmuylder. - © apa/Techt
Wiener Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler und Neo-Festwochen-Leiter Christophe Slagmuylder. - © apa/Techt

Wien. "In den vergangenen Tagen habe ich nur wenige Stunden Schlaf bekommen", gibt Veronica Kaup-Hasler bei der Vorstellung des interimistischen Festwochen-Leiters zu. Das wundert einen nicht. Vor einer Woche kam es zur einvernehmlichen Vertragsauflösung mit Tomas Zierhofer-Kin, der die letzten beiden Festwochen-Ausgaben verantwortete und dabei viel Kritik einstecken musste. Über die Rahmenbedingungen dieser Lösung habe man, so Kaup-Hasler auf Nachfrage der "Wiener Zeitung", "Stillschweigen" vereinbart. Gerüchteweise ist von einem Jahresgehalt die Rede, das Gerücht wurde indes nicht kommentiert.

Wieder Strahlkraft gewinnen

Seit Anfang dieser Woche ist bekannt, dass Christophe Slagmuylder das Programm 2019 gestalten wird. Den belgischen Kulturmanager kennt Kaup-Hasler noch aus ihrer Zeit als Intendantin des Steirischen Herbstes, "wir haben viele Projekte gemeinsam realisiert, und teilen eine ähnliche Vision, was ein Festival im urbanen Raum leisten sollte." Im Sommer wird die Intendanz vorschriftsgemäß neu ausgeschrieben und "ich hoffe, dass Christophe sich bewerben wird", so Kaup-Hasler.

"Ich bin keine Notlösung", stellt der 51-jährige Christophe Slagmuylder klar. "Mir geht es darum, das Vertrauen in die Festwochen wieder aufzubauen und die Neugier auf künstlerische Begegnungen zu wecken." Tatsächlich empfiehlt den Neo-Intendanten seine bisherige Berufslaufbahn für die Position: Seit 2002 arbeitet er im Programmteam des Brüsseler Mehrspartenfestivals Kunstenfestivaldesarts, seit elf Jahren leitet er nun das Festival. 1994 gegründet von der ehemaligen Festwochen-Schauspieldirektorin Frie Leysen, gehört die Kultureinrichtung nun zu den Big Playern des internationalen Festspielbetriebs. Das besondere an diesem Festival sei, so Kaup-Hasler, dass die ganze Stadt bespielt werde, "von den Problembezirken bis zum Nobelvorort wird jede Facette der Stadt miteinbezogen." 80 Prozent des Programms seien zu dem Eigen-, Ur- und Erstaufführungen. "Slagmuylder betritt alljährlich einen großen Risikoraum", so die Kulturstadträtin. Ähnliches dürfte ihr wohl auch für die Reform der Wiener Festwochen vorschweben.

Für sein interimistisches Engagement in Wien steigt Slagmuylder ein Jahr früher als geplant aus der Leitung des Kunstenfestivaldesarts aus, wo man bereits eine neue Führung sucht. Auch für 2020 ist er bereits Verpflichtungen eingegangen: In Düsseldorf soll er das alle drei Jahre stattfindende Festival Theater der Welt leiten. Wie er damit umgehen wird, dazu wollte sich Slagmuylder auch auf Nachfrage nicht äußern.

Auch mit Ideen für die Festwochen hielt er sich äußerst bedeckt. Ungewiss ist außerdem, ob Slagmuylder Vereinbarungen mit Künstlern übernehmen muss, die Zierhofer-Kin und sein Team eingefädelt haben. Die Zukunft der Festwochen-Kuratoren, die Zierhofer-Kin erst jüngst engagiert hat, ist wohl auch noch offen. Ob das klassische Konzertprogramm wieder aufgenommen wird, die Zusammenarbeit mit Konzerthaus und Musikverein hatte Zierhofer-Kin aufgekündigt, steht ebenfalls noch in den Sternen. In den nächsten Stunden und Tagen werde er das Team der Festwochen treffen und "respektvoll mit Personen und Plänen umgehen", so Slagmuylder. "Ich will nicht mit einer Tabula rasa starten."

Ein klares Bekenntnis legte er indes zur Rolle der Festwochen als Produzent und Initiator von Projekten ab. "Sie sind ein guter Ort für risikoreiche Produktionen. Ich will, dass dieses Festival in dieser Zeit und an diesem Ort verankert ist und wirksam wird." Über seine künstlerische Position verrät er: "Ich unterscheide grundsätzlich nicht zwischen Avantgarde und Klassik, vielmehr geht es stets darum, wie Kunstwerke mit Zeitgenossenschaft verknüpft werden können."

Die Kulturstadträtin verspricht künftig mehr Transparenz hinsichtlich Budget und Auslastungszahlen und streut dem Neo-Intendanten abschließend Rosen: "Ich glaube daran, dass die Festwochen ihre Strahlkraft wieder zurückgewinnen. Mit dieser Entscheidung können wir das schaffen."