• vom 29.06.2018, 16:17 Uhr

Bühne


Opernkritik

Wagner vertont Baselitz




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Von Georg Etscheit

  • Ein umstrittener "Parsifal" in München.

München. (dpa) Jonas Kaufmann, Nina Stemme, Christian Gerhaher, Rene Pape, am Pult Kirill Petrenko - Münchens neuer "Parsifal", der am Donnerstag zur Eröffnung der Opernfestspiele im Nationaltheater herauskam, wartet mit einer Champions-League-Besetzung auf. Dass es dennoch Buhrufe gab, lag an der Regie - und am Bühnenbild von Georg Baselitz. Regisseur Pierre Audi, Direktor der Nationale Opera in Amsterdam, war offenbar nur daran gelegen, dem Malerfürsten Baselitz nicht in die Quere zu kommen. Sängerinnen und Sänger standen oder hockten beziehungslos am Bühnenrand herum, es gab keine überraschenden Verwandlungen oder Lichteffekte - und es gab vor allem keine Idee, was das alles uns heute sagen könnte.

Baselitz hatte die Bühne mit Versatzstücken seines reichen Schaffens als Maler und Bildhauer ausgestattet und kreierte eine düstere, todessüchtige Atmosphäre. Den Heil spendenden Gral gab es ebenso wenig wie einen Speer, und die "Blumenmädchen" mit Hängebrüsten und blutiger Scham schienen aus einem Splattermovie entsprungen.


Musikalisch war die Aufführung mit Jonas Kaufmann als Parsifal, Nina Stemme als derzeit wohl weltbester Kundry, Christian Gerhaher als Amfortas, René Pape als Gurnemanz und Wolfgang Koch als Klingsor vom Allerfeinsten. Dem begnadeten Liedsänger Gerhaher gelang eine zu Herzen gehende Darstellung des leidenden Amfortas.

Generalmusikdirektor Kirill Petrenko dirigierte den "Parsifal" zum ersten Mal in seiner Dirigentenlaufbahn und lieferte eine prächtig ziselierte Detailarbeit, der allerdings der ganz große Schwung fehlte. Kräftiger, kurzer Jubel für Sänger und Orchester, Buhsalven für Maler und Regisseur, denen Baselitz-Fans zu Hilfe klatschten.




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Dokument erstellt am 2018-06-29 16:22:38


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