Pjotr Iljitsch Tschaikowsky (1840-1893) gehört nicht nur zu den bekanntesten russischen Komponisten, er hat mit Werken wie "Schwanensee" und "Nussknacker" auch Ballettgeschichte geschrieben. Diesem Künstler, der wie kaum ein anderer dem Spitzentanz zugeneigt war, ein eigenes Ballett zu widmen, ist ein naheliegender Gedanke, den der russische Choreograf Boris Jakowlewitsch Eifman mit seiner jüngsten Arbeit "Tchaikovsky Pro et Contra" aufgegriffen hat. Nach der gefeierten Premiere 2016 in Petersburg tourt das Stück nun durch die Welt. Am vergangenen Wochenende gastierte die renommierte Truppe im Wiener Burgtheater.

Der 71-jährige Choreograf verwebt Episoden aus Tschaikowskys Leben, wobei die Homosexualität des Komponisten wie ein roter Faden durch den zweistündigen Abend führt, mit Zitaten aus seinen Werken - so trippelt das Corps de Ballet im "Schwanensee"-Kostüm durch die Szenerie, die Pique-Dame erscheint und Mäuse bedrohen einen Plastik-Nussknacker.

Eifman bleibt seinem Stil treu, klassische Bewegungsabläufe werden gekonnt mit neoklassischen Tendenzen verbunden, aber von zeitgenössischem Ballett ist man meilenweit entfernt. Bühnenbild (Zinowy Margolin) und Kostüme (Olga Schaischmelaschwili) sind überaus opulent, Tänzerinnen mit wippenden Lockenperücken und bodenlangen Röcken fegen durch die dynamische und kurzweilige Szenerie. Aus dem technisch glänzenden Ensemble ragt Oleg Gabyschew hervor, er verkörpert ausdruckstark die Seelenkämpfe Tschaikowskys.