Das ganze Jahr über ist ein Theaterbesuch eher ein urbanes Vergnügen, etwas, das sich meist in abgedunkelten Innenräumen abspielt. Gänzlich anders wird die Situation im Sommer. Da wird plötzlich jede Burgruine zur potenziellen Bühne, an jedem Marktplatz kann sich ein Bühnengeschehen entfalten. Naheliegende und abgeschiedene Orte werden gleichermaßen bespielt, man lädt Besucher an den See, in die Berge oder unter die Erde.

Ein Wegweiser zu Spielorten, die etwas abseits der ausgetrampelten Kulturpfade liegen.


Theater am Berg

Bei diesem Theaterbesuch muss man gut zu Fuß sein: Bei teatro caprile kommt das Theater nur als Tageswanderungen auf den Spielplan. Zwei Theaterwanderungen hat die heimische Off-Truppe, die heuer 25-Jahr-Jubiläum feiert, im Programm: "Auf der Flucht - Gargellen - Sarotla - Schweiz", diese fast sechsstündige Wanderung führt in das Montafon (Vorarlberg). Das szenische Geschehen basiert auf Zeitzeugenberichten, historischen Dokumenten und literarischen Texten. Mit diesen Realitätsfragmenten erzählen die Akteure Geschichten von Menschen, die während der NS-Zeit auf der Flucht waren. Gespielt wird im Hotel Madrisa, in Alphütten und im freien Gelände, das seinerzeit tatsächlich Fluchtroute war. Das zweiten caprile-Projekt, "Ins gelobte Land - Eretz Austria!", setzt sich mit der jüdischen Migration nach dem Zweiten Weltkrieg auseinander. Durchs Krimmler Achental (Salzburg) wandern Besucher und Akteure einen Tag lang auf den Spuren der displaced persons in Richtung Palästina. Die Route über die Tauern führte damals bis nach Südtirol.

Info: www.teatro-caprile.at (für dieses Jahr sind alle Wanderungen bereits ausgebucht)


Theater am Wasser

Die Bregenzer Seebühne und die Wasserfestspiele zu Mörbisch sind allseits bekannt. Wie verhält es sich aber mit dem Herrenseetheater in Litschau, NÖ? Seit bald zehn Jahren wird dort im alten Strandbad Theater gespielt. Der hölzerne Theaterbau bietet 400 Personen Platz, geöffnet ermöglicht der Pavillon sogar Seeblick. Gezeigt wird Unterhaltungstheater mit Anspruch. Heuer hat Intendant Zeno Stanek unter Schirmherrschaft von Katharina Stemberger, Margit Mezgolich und Ernst Molden vom 10. bis 19. August das Minifestival "Hin & Weg - Tage für zeitgenössische Theaterunterhaltung" ins Leben gerufen. In einer Art Best-of-Bundesländer gibt es Aufführungen verschiedener Bühnen der heimischen Off-Szene zu sehen. Mit "Die stillen Nächte des Ludwig Rainer" gastiert etwa Hakon Hirzenberger vom Tiroler Steudtenn-Theaterfestival, die neue Bühne Villach ist mit Daniel Kehlmanns Terror-Drama "Heilig Abend" vertreten, außerdem gibt es szenische Lesungen, Diskussionen, Theaterworkshops und Bühnen-Meisterklassen sowie Konzerte (der Nino aus Wien).