Anna Badora verkündete unlängst, nach Ablauf ihres Vertrags als Volkstheater-Intendantin 2019/20 nicht mehr zur Verfügung zu stehen. Veronica Kaup-Hasler, die kürzlich berufene Wiener Kulturstadträtin, ließ darauf mit der Bemerkung aufhorchen, dass sie sich "für das Volkstheater neue Weichenstellungen" überlegen wolle.

- © Alex Kich/Stock.adobe, Volkstheater
© Alex Kich/Stock.adobe, Volkstheater

Wo liegen die Schwierigkeiten von Wiens problematischster Theaterbühne? Wohin könnte die Reise im Haus am Weghuberpark gehen? Und inwiefern spielt dabei die Theaterstadt Wien eine Rolle? Annäherungen an eine Bühne mit großer Tradition und augenblicklich schlechten Karten (samt möglicher Lösungsvorschläge).

Wo liegen die Probleme?

Das Volkstheater wurde 1889 als bürgerliches Gegenstück zum Burgtheater, seinerzeit kaiserliches Hofburgtheater, erbaut. Der Stolz des erstarkten Bürgertums zeigte sich darin, dass "seine" Bühne nahezu so groß wie das höfische Vorbild sein sollte: Ursprünglich bot das Volkstheater fast tausend Zuschauern Platz (die Burg liegt nur wenig darüber).

In den vergangenen Jahrzehnten wurde der Publikumsraum jedoch sukzessive verkleinert; durch die Tribüne, die Anna Badora zu Beginn ihrer Dienstzeit errichten ließ, fasst das Volkstheater gegenwärtig 850 Zuschauer.

Dennoch ist das Haus nach wie vor die zweitgrößte Bühne der Stadt - und eine der größten Theater des deutschsprachigen Raums. Mit 16 Millionen Euro Subvention ist das Volkstheater vergleichsweise unterdotiert - das Burgtheater erhält fast das Dreifache, auch vergleichbare deutsche Bühnen erhalten mehr, selbst Österreichs Landesbühnen in dieser Größenordnung werden großzügiger gefördert. Der finanzielle Druck ist also enorm.

Zum Gründungsgedanken des Volkstheaters gehörte, erschwingliche Kartenpreise anzubieten, um möglichst breite Publikumsschichten anzusprechen. Ob man sich diesem Anspruch nach wie vor verpflichtet fühlt, erscheint fraglich, das Niveau der Kartenpreise hat sich langsam dem der anderen Wiener Bühnen angenähert. Die Preise im Volkstheater bewegen sich zwischen acht und 55 Euro, am Burgtheater sind zwischen sieben und 61 Euro zu berappen. Der Unterschied in der Preisgestaltung schwindet.

Traditionell verfügt das Volkstheater auch über einen geringen Abonnentenstock, gerüchteweise haben die Abos derzeit einen historischen Tiefstand erreicht. Im Vergleich mit dem Theater an der Josefstadt, das allabendlich auf sein treues Abo-Publikum zählen kann, muss das Volkstheater den Großteil seiner Einnahmen an der Abendkasse erwirtschaften. Flops kann sich das Haus daher eigentlich nicht leisten.