Hoffnungsfroh: Neo-Intendant Peter Edelmann. - © Mörbisch/Bin
Hoffnungsfroh: Neo-Intendant Peter Edelmann. - © Mörbisch/Bin

Manchmal sind es die profanen Argumente, die ziehen. Peter Edelmann hat es bei einem Werbefeldzug in Asien erlebt. "20 Minuten habe ich einer Reiseagentur in Südkorea von den Mörbischer Seefestspielen erzählt. Dann sage ich: Außerdem ist das größte Outlet-Center Europas, Parndorf, nur eine halbe Stunde entfernt. Da haben die Augen gemacht!"

Seit heuer ist Edelmann Leiter jenes Festivals, das am Neusiedler See allsommerlich eine Riesenbühne bespielt. 6200 Plätze gilt es zu füllen. Der Intendant darf da nicht nur für die holde Kunst leben, er muss auch die Klinken des Tourismus putzen. Edelmann hat das verinnerlicht, so wie Harald Serafin und Dagmar Schellenberger vor ihm. "Ich fühle mich für alles zuständig, vom Programm über die Besetzung bis hin zur Lösung von Parkplatzproblemen." Seine "erste Tat" war es, mit einem Musikertrupp nach Seoul aufzubrechen und die "Fledermaus" konzertant aufzuführen - mit Werbebildern von Mörbisch.

1993 hätte sich Edelmann diese Reise kaum erträumt. Der studierte Sänger hatte zwar schon damals eine tragende Rolle in Mörbisch - aber als Danilo in der "Lustigen Witwe". Von Intendanz war noch lange keine Rede - und Mörbisch auch weit von seiner Spektakelzukunft entfernt. "Es war das erste Jahr von Intendant Harald Serafin, er hat praktisch bei null begonnen." Statt Kingsize-Tribüne harrten karge Bänke der Besucher.

Ein Boom - und ein Abschwung


"Serafin hat die Besucherzahlen von 60.000 auf 220.000 pro Sommer gesteigert - eine Sensation!" Eine Einbahnstraße war das aber nicht. In den Schlussjahren von Mister Wunderbar erlahmte der Zustrom schleichend, und Schellenberger - ab 2013 am Steuer - konnte keine Schubumkehr einleiten: Ihr letzter Sommer sah 110.000 Besucher laut Edelmann.

Auf großes Interesse stieß danach eine unfreiwillige Posse. Die Politik kürte Gerald Pichowetz, Chef der Floridsdorfer Kleinbühne Gloria-Theater, zum Intendanten - ohne sich ein Konzept des gut vernetzten Komödianten vorstellen zu lassen. Die Parteien trennten sich, noch bevor diese Ära begann.

Peter Edelmann, 1962 in Wien geboren, sprang in die Bresche: keine Gestalt aus dem kollektiven ORF-Gedächtnis, aber ein Branchenkenner. Nach seinen Sängerjahren (etwa an der Deutschen Oper Berlin) leitete er das Institut für Musiktheater an der Wiener Musikuniversität. Stellte der Spross einer hiesigen Musikerfamilie ein Konzept vor? Ja, sagt er, verweist auf kleinere Novitäten in diesem Sommer: Ein Kinderprogramm etwa (das bereits stattfand) und mehr gastronomisches Angebot. Vor allem aber will er an alten Grundsätzen festhalten. In Edelmann lodert ein Enthusiasmus, aber er blickt nicht blauäugig auf die befüllungsbedürftige Tribüne: "Mörbisch muss die Knaller der Operette spielen" - ohne Verfremdungen durch das Regietheater. "Der Grundtenor des Publikums ist: Bitte lasst die Stücke, wie sie sind. Wir wollen nichts Neues sehen, schon gar nicht im Sommer."