Alexander Jagsch in den Fängen von Wolf Bachofner. - © apa
Alexander Jagsch in den Fängen von Wolf Bachofner. - © apa

Seit 15 Jahren leitet Wolfgang Böck die Schloss-Spiele Kobersdorf. Die burgenländische Bühne hat sich unter seiner Intendanz zu einem erfolgreichen Sommertheaterbetrieb entwickelt mit fast 100-prozentiger Auslastung. Böck scheint hier etwas richtig zu machen. Vor jeder Vorstellung schlendert er durch die Gastro-Zone, schüttelt Hände, lässt sich sogar mit Zuschauern ablichten. Ein Intendant zum Anfassen.

Am Spielplan steht heuer "Arsen und Spitzenhäubchen". Joseph Kesselrings Bühnenhit aus 1941, mit Cary Grant verfilmt, lebt von tektonischen Verschiebungen der Normalität und zeigt auf, welche dünne Schicht die Zivilisation von der Barbarei trennt.

Auf der grauen Salonbühne in Kobersdorf treten auf: Ein Verrückter, der sich für den Präsidenten von Amerika hält (Wolfgang Böck), ein falscher Arzt (Wolf Bachofner), ein Massenmörder (Clemens Aap Lindenberg), schließlich Erika Mottl und Gertrud Roll als liebenswerte Brewster-Schwestern, die mit ihrem Arsencocktail bereits ein Dutzend Männer ins Jenseits befördert haben. In diesen Irrsinn taucht Alexander Jagsch in der Paraderolle des Mortimer Brewster ein und hat die Lacher stets auf seiner Seite.

Eigentlich ist "Arsen und Spitzenhäubchen" ein Kammerspiel, nur bedingt geeignet für eine weitläufige Freilichtbühne. Obwohl die Akteure in der souveränen Regie von Werner Prinz sich die Hacken ablaufen und aus den Leerläufen auch eine gewisse Komik beziehen, verliert sich das Spiel mitunter, Gesten müssen übergroß gespielt werden, darunter leidet notgedrungen die Komödienfeinmechanik. Dennoch ernten das zehnköpfige Ensemble verdienten Applaus.