• vom 10.07.2018, 15:43 Uhr

Bühne

Update: 10.07.2018, 16:01 Uhr

Impulstanz 2018

Der Puls der Provokation




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Von Verena Franke

  • Marie Chouinard blickt bei Impulstanz auf ihre 40-jährige Laufbahn mit einer Reihe aus Solos und Duetten zurück.

Tänzerin Carol Prieur in Marie Chouniards "Solos And Duets". - © Sylvie-Ann Pare

Tänzerin Carol Prieur in Marie Chouniards "Solos And Duets". © Sylvie-Ann Pare



Marie Chouinard modelliert die Körper ihrer Tänzer.

Marie Chouinard modelliert die Körper ihrer Tänzer.© L. Labat Marie Chouinard modelliert die Körper ihrer Tänzer.© L. Labat

Sie pinkelt in einen Kübel, versteigert sich selbst, es wird öffentlich masturbiert, oder es fliegen auch schon einmal rohe Eier: Marie Chouinard provoziert - früher erhielt die Kanadierin dafür Auftrittsverbot, heute zählt sie zu den Stars, den führenden Künstlern des zeitgenössischen Tanzes und ist bekannt für ihre sinnlichen, oft neckischen, dennoch immer wieder tiefgründigen Arbeiten. Die juvenile 63-Jährige ist Choreografin, Fotografin, Autorin, Bühnenbildnerin, Lichtdesignerin, Filmregisseurin und hat zuletzt eine App mitentwickelt.

Miniaturen der Karriere

Information

Impulstanz 2018

"Radical Virtuality, Solos And Duets"
24., 26. und 28. Juli, 21 Uhr im Volkstheater Wien

www.impulstanz.com

Zudem zählt das ehemalige Enfant terrible zu den Stammgästen des Impulstanz-Festivals, das ihr 40-jähriges Bühnenjubiläum mit einer Retrospektive feiert. "Ich habe so viel Stücke in 40 Jahren geschaffen, dass ich die Tänzer der Compagnie fragen musste, was sie denn tanzen möchten", sagt Chouinard im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Auch sie waren ratlos, denn die jungen Performer tanzten maximal fünf Jahre im Ensemble und kannten deshalb die frühen Werke nicht. "Eine Woche lang schauten wir Videos, pinnten dann Fotos des Stücks mit dem Namen des Tänzers, der es sich ausgesucht hat, an eine große Wand. Nach drei Wochen hatten wir noch 50 Stücke in der engeren Auswahl, die einstudiert wurden, und ich wechselte die Reihenfolge noch öfters." Einen inhaltlichen roten Faden gibt es nicht. "Aber die Reihenfolge soll, so hoffe ich, einen Fluss ergeben, der wie das Atmen fließt, eine Art Rhythmus erzeugt", so die Choreografin. Gezeigt wird eine Vielzahl an Miniaturen, teils Ausschnitte, teils eigenständige Werke.



Man könnte meinen, dass dieses Auswahlverfahren aus der Vielzahl an Miniaturen gleichfalls eine Reflexion der eigenen choreografischen Handschrift und ihrer Entwicklung ist. Nicht für Marie Chouinard: "Aus meiner Perspektive war ich immer an der Art und Weise des Atmens interessiert, wie sich die Wirbelsäule bewegt, und an der Beobachtung des Körpers im Duell oder Duett zwischen Gefühl und Bewegung." Es gefällt ihr, ihre Tänzer wie eine Bildhauerin zu modellieren, die Muskeln, die Knochen bewegungstechnisch zu formen - "auch die Intelligenz des Körpers, die Seele in Raum und Zeit", beschäftigt sie. Sie sei immer auf der Suche "nach Einzelwesen" mit einer künstlerischen Einstellung zum Tanz, der ihren Bewegungen Leben einhaucht. "Ich finde das nicht immer, aber manchmal sehe ich Rohdiamanten bei Auditions."




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2018-07-10 15:50:06
Letzte Änderung am 2018-07-10 16:01:10


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