• vom 13.07.2018, 16:13 Uhr

Bühne

Update: 13.07.2018, 16:38 Uhr

Opernkritik

Ein Sommerleben für die Kunst




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Von Daniel Wagner

  • Die Sommer-Oper in Gars am Kamp lockt mit Giacomo Puccinis "Tosca".

So schlicht wie spannend ist diese "Tosca"-Inszenierung mit Michele Kalmandy (am Tisch), Oscar Marín und Lada Kyssy. - © Reinhard Podolsky

So schlicht wie spannend ist diese "Tosca"-Inszenierung mit Michele Kalmandy (am Tisch), Oscar Marín und Lada Kyssy. © Reinhard Podolsky

Wenn einer eine Festivalreise tut: Da traf die traumhafte Burgruinenkulisse auf einen lauen Sommerabend und eine selbsterklärende Inszenierung eines italienischen Meisterwerks. All diesen Verlockungen hielten allein die unerbittlich dahinzirpenden Grillen stand. Das also ist aus der Sommeroper in Gars am Kamp geworden.

In diesem Jahr wird Giacomo Puccinis römische Freiheitsliebesgeschichte "Tosca" unter der musikalischen Leitung von Festivalintendant Johannes Wildner gegeben. Bereits zur Premiere präsentierte sich die Ruine Gars in bestem Gewand - ebenso wie die einfühlsam direkte Regie des Teams Wolfgang Gratschmaier und Stephanie Schimmer. So wurde in den alten Mauern lieber mit Rittertafel, wenigen Requisiten der Zeit (ebenso angedeutete Empire-Kostüme von Gerlinde Höglhammer) und der effektvollen Lichtregie von Harald Michlits die Geschichte einer Sängerin authentisch erzählt, die für Kunst wie Liebe lebt und trotz aller gut gemeinter Versuche im Strudel der Machtbesessenheit vergeht: Die Tosca der kasachischen Sopranistin Lada Kyssy lebte mit starkem, gut intonierendem Sopran eine einerseits selbstständige, dennoch verletzliche Titelheldin vor. Kein Wunder, dass der richtig böse Baron Scarpia des ungarischen Baritons Michele Kalmandy sie bis zum finalen Messerstich mit einer souveränen Inbrunst begehrte. Gelungener gegenwärtiger Regieanstrich wurde der Wechsel in den dritten Engelsburgakt: Asim Dzinos Bühneninstallation à la Hermann Nitsch, eine offensichtlich blutverschmierte Leinwand, ermöglichte einen den Gegebenheiten entsprechend raschen Umbau und umhüllte nach dem Tyrannenmord die finale Szenerie. Scarpias Blut klebte an allen. Aus der Vorberichterstattung war zu entnehmen, dass dieses Schüttbild unter Einsatz des gesamten Ensembles im Vorfeld der Produktion geschaffen worden war. Eine schöne Art des Teambuildings.

Information

Oper
Tosca
Von Giacomo Puccini
Wolfgang Gratschmaier und Stephanie Schimmer (Regie)
Johannes Wildner (Dirigent)
Gars am Kamp

Gut eingestimmte Nebenrollen

Es war Zeit für "E lucevan le stelle": Die Sterne über Gars strahlten mit dem wohlklingenden Tenor des auf die Hinrichtung wartenden Cavaradossi um die Wette. Oscar Marín lieh dem standhaft liebenden Maler seine kraftvolle Stimme, was der trockenen Akustik des Burghofs guttat.

Gut aufeinander eingestimmt hat die Regie auch die Nebenrollen. Marcus Pelz als herrlich amüsanter Frater Sagrestano, der Spoletta von Benedikt Kobel, Sciarrone von Ricardo Bojorquez und Angelotti (Vasile Chişiu) gingen voll und ganz in den nicht leicht zu bespielenden Gemäuern auf. Und das bei einem der wenigen Outdoor-Festivals, das ohne akustische Verstärkung auskommt.

Freilich, manche intensiven Basspassagen des Werkes, etwa in den Bläsern des zweiten Aktes oder im späten Celloquartett verloren sich durch diese Umstände - was freilich schnell vergessen ist. Johannes Wildner machte mit dem Festivalorchester (ebenso gut einstudierter Festivalchor) in stringenten Tempi und präziser Dynamik das große Ganze zum Erlebnis für Herz und Ohr.





Schlagwörter

Opernkritik, Gars am Kamp, Tosca

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-07-13 16:19:57
Letzte Änderung am 2018-07-13 16:38:21


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