• vom 16.07.2018, 16:28 Uhr

Bühne

Update: 16.07.2018, 16:42 Uhr

Impulstanz 2018

Barock ohne Barock




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Von Verena Franke

  • Anne Teresa De Keersmaeker zeigt mit den sechs Cellosuiten von Bach, wie Musik mit Bewegung tanzt.

Cellist Jean-Guihen Queyras und Tänzerin Marie Goudot.

Cellist Jean-Guihen Queyras und Tänzerin Marie Goudot.© Anne Van Aerschot Cellist Jean-Guihen Queyras und Tänzerin Marie Goudot.© Anne Van Aerschot

Anne Teresa De Keersmaeker beschränkt sich auf das Wesentliche: Szenischer Minimalismus ist auch in "Mitten wir im Leben sind" zu den sechs Cellosuiten von Johann Sebastian Bach die Basis für ihre Übersetzung von Tanz in Musik und Raum. Die österreichische Erstaufführung im Rahmen des zurzeit stattfindenden Impulstanz-Festivals zählt mit Sicherheit zu den Höhepunkten der diesjährigen Ausgabe. Nicht unbedingt, weil die belgische Choreografin und Tänzerin mit ihrem Ruf als Altmeisterin des zeitgenössischen Tanztheaters dafür steht, sondern weil diese narrationsfreie Übersetzung musikalischer Strukturen Seltenheitswert besitzt.

Der renommierte französische Cellist Jean-Guihen Queyras nimmt mit dem Rücken zum Zuschauerraum des Burgtheaters Platz. Mit jeder Suite wechselt er diesen und begleitet Soli, Duette und letztlich ein Tutti aller fünf Tänzer: Michael Pomero, Julien Monty, Marie Goudot, Bostjan Antončič und Femke Gyselinck, die für die verletzte De Keersmaeker eingesprungen ist. Momente der Synchronität lösen Soli ab, fließende Sequenzen werden durch ruckhafte Stopps unterbrochen, Momente des Gleichklangs gelingen ohne Berührungen: musikalisch mit Queyras’ feinem Gespür, choreografisch und auch lichttechnisch. Wiederholte Sequenzen sind Teil der schon mathematischen Logik von De Keersmaekers stilistischer Handschrift.

Information

Performance
Mitten wir im Leben sind
Anne Teresa De Keersmaeker & Jean-Guihen Queyras/Rosas
Burgtheater im Rahmen des Impulstanz-Festivals

Asketische Schreittänze

Femke Gyselinck verbindet die Suiten wie ein barocker Zeremonienmeister, jedoch mit simplen Gesten am Vorderende der Bühne. Gemeinsam mit Marie Goudot wird auch der barocken Schreittänze in Bachs Partitur gedacht, aber im asketischen Schrittrepertoire einer De Keersmaeker. Zuvor zeigte Goudot in der dritten Suite die absolute Verschmelzung von Bach und der Choreografie in einem unglaublich präzisen Soli mit herausragenden Phrasierungen.

Die geometrischen Muster, die die Tänzer mit buntem Klebeband auf den Bühnenboden fixierten, müssen für Zuseher im Parterre imaginiert bleiben.

Und der grammatikalisch etwas verunglückte Titel? Er stammt aus einer Übersetzung von Martin Luther, De Keersmaeker beschränkt sich aber auf den ersten Teil: "Media vita in morte sumus - Mitten wir im Leben sind mit dem Tod umfangen." De Keersmaekers Quintessenz zu Bachs Suiten.





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-07-16 16:35:02
Letzte Änderung am 2018-07-16 16:42:01


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