• vom 31.07.2018, 16:32 Uhr

Bühne

Update: 31.07.2018, 16:46 Uhr

Opernkritik

Die Frist ist um . . .




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Von Joachim Lange

  • In Bayreuth geht "Der fliegende Holländer" von Jan Philip Gloger in sein letztes Jahr.

In diesem Jahr hätte sich das Publikum gewünscht, dass die Ventilatoren nicht nur als Metapher der modernen industriellen Fertigung die Spinnräder von Frau Mary und ihren Frauen abgelöst, sondern wirklich etwas Wind gemacht hätten. Eine Premierenwoche nährt sich dem Finale, die auch als Hitzetest für den Kreislauf und das Durchhaltevermögen des Publikums in die Festspielannalen eingehen wird. In der seit 2012 auf dem Grünen Hügel gereiften und schmerzfreien Inszenierung Jan Philipp Glogers blinken zu Beginn wieder kühl die Datenautobahnen und liefern ein Wetterleuchten der iClouds über der tobenden Klangsee, die Axel Kober (mittlerweile längst) sicher im Griff hat.

Peter Rose spielt wie schon 2016 den Daland mit der Schlitzohrigkeit einer Krämerseele mit komödiantischer Noblesse voll aus. Als Steuermann ist der so agile wie spielfreudige Rainer Trost neu in seiner Firma und mit im Kahn. Ricarda Merbeth als Senta von 2013 an und Christa Meyer als Stamm-Mary sind feste Größen dieser Produktion: die eine als selbstbewusst schwärmende Künstlerin, die sich ihren Holländer-Schwarm (immer etwas anders) modelliert oder schnitzt. Und die andere als Frau, die offenbar auch ihre Vergangenheit mit der Holländerschwärmerei hat, jedenfalls löst sie bei Sentas Ballade ihre streng gebundenen Haare.

Information

Oper

Der fliegende Holländer

Jan Philip Gloger (Regie)

Axel Kober (Dirigent)

Mit: Greer Grimsley, Ricarda Merbeth, Tomislav Mužek u. a.

Bayreuther Festspiele

Geschlossene Erzählung

Hügelneuling Greer Grimsley ist ein Holländer mit anziehendem Charisma und einer diabolischen Komponente in der Stimme, die fabelhaft zu Glogers Version passt. Gegen den hat Hausmeister Erik (Tomislav Mužek) keine Chance. Insgesamt verabschiedet sich dieser "Holländer" als eine in sich geschlossene Erzählung mit einer erfrischenden Dosis Spielwitz. Über Begegnungen der besonderen Art, die auch in einer Welt passieren können, die von digitalisiertem Krämergeist beherrscht wird: der Auftritt der Holländermannschaft als Alter Egos der Ventilatorenproduzenten im Vertreter-Look etwa oder die poetische Vorwegnahme der Schlusspointe, mit der aus dem Tod des "Traumpaares" Kapital geschlagen wird, in dem magischen Moment der Begegnung von Senta und Holländer auf der Drehbühne im Schattenspiel.

Es segelt ein "Holländer" davon, der die Rezeptionsgeschichte nicht aus den Angeln hebt, aber dem Publikum heuer aus guten Gründen Freude macht.





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-07-31 16:41:26
Letzte Änderung am 2018-07-31 16:46:02


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