• vom 07.08.2018, 16:19 Uhr

Bühne

Update: 08.08.2018, 12:54 Uhr

Opernkritik

Händel im virtuellen Raum




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Von Rainer Elstner

  • Regisseur Kobie van Rensburg und Dirigentin Michi Gaigg zeigen "Atalanta" auf Schloss Greinburg.

Arcadien als Single-Börse: Kobie van Rensburg inszeniert eine Oper Händels für die Gegenwart.

Arcadien als Single-Börse: Kobie van Rensburg inszeniert eine Oper Händels für die Gegenwart. Arcadien als Single-Börse: Kobie van Rensburg inszeniert eine Oper Händels für die Gegenwart.

Zur Hochzeit des englischen Thronfolgers Friedrich Ludwig von Hannover mit Augusta von Sachsen-Gotha-Altenburg komponierte Georg Friedrich Händel ein Werk, dessen Handlung dem Paar huldigte: "Atalanta". Es lässt sich ein thematischer Bogen spannen zum Schloss Greinburg im Strudengau, wo diese Oper heuer gespielt wird: Die heutigen Besitzer stammen aus derselben Adelsfamilie wie Ludwigs Braut Augusta.

Das royale Paar blieb 1736 den ihnen gewidmeten Aufführungen fern. Es hätte mitreißend pointierte Musik erlebt, die eine schematisch konstruierte Handlung belebt: Atalanta und Meleagro lieben einander. Um ihr Glück perfekt zu machen, müssen sie durch Episoden der Eifersucht und Verwirrung, vom bürgerlichen Paar Irene und Aminta begleitet. Atalanta und Meleagro verbergen voreinander ihre adelige Herkunft - erst als diese von einem göttlichen Boten aufgedeckt wird, kann das Paar sich seine Liebe gestehen.

Information

Oper
Atalanta
Von Georg Friedrich Händel
Kobie van Rensburg (Regie)
Michi Gaigg (Dirigentin)
Schloss Greinburg
Wh.: 10., 11. und 12. August

Das Spiel mit falschen Identitäten hat Kobie van Rensburg auf eine interessante Idee gebracht: Der südafrikanische Sänger und Regisseur lässt das Liebespaar via Online-Singlebörse zueinanderfinden. "Verliebt Euch wie die Götter", lautet die Verheißung von "arcadia.com".

Eine Computer-Fantasiewelt

Das Bühnenbild erschafft virtuelle Welten: Das L'Orfeo Barockorchester sitzt vor einer großen Filmleinwand, links und rechts davon sind, etwas versteckt, zwei kleinere Blue-Screens aufgebaut. Vor diesen agieren die Sängerinnen und Sänger. Via Kamera werden ihre Bewegungen auf der großen Leinwand mit einer computeranimierten Fantasiewelt zusammengeführt. Damit kreiert van Rensburg ein Single-Resort namens Arcadia, das Raum lässt für das Einblenden von deutschen Untertiteln und einige Gags (Altistin in der virtuellen Badewanne!). Das Sängerteam hat sich gut auf diese Situation eingestellt. Gestik und Mimik sind präzise und reduziert - Großaufnahmen von Singenden sehen selten vorteilhaft aus. Akustisch ist diese Lösung nicht von Vorteil, denn die Arien erschallen quer durch den halligen Rittersaal einmal von links, ein anderes Mal von rechts.

Musikalischer Erfolg

Dieser Abend ist daher eher trotz als wegen dieses technischen Settings ein musikalischer Erfolg. Das liegt zuallererst an zwei Sopranistinnen. Silvia Frigato intoniert als Atalanta - gesegnet mit inniger Musikalität - frei und strahlend. Amelie Müller hat als Meleagro die Rolle zu stemmen, die Händel dem jungen Star-Kastraten Gizziello auf den Leib geschrieben hat. Die Berlinerin überzeugt mit geschmeidigen Koloraturen, schwebenden Spitzentönen, einer durchdringenden Tiefe und spielerisch modulierten Ton-Ansätzen.

Maria Weiss’ Stimme scheint an dramatischer Kraft gewonnen zu haben, sie verleiht der Figur der Irene große Präsenz. Tenor Christian Zenker findet als Aminta nach anfänglicher Nervosität zu erfrischenden und sicheren Koloraturen - die Nahaufnahmen bringen sein komödiantisches Talent zur Geltung. Reinhard Mayr (Nicandro/Mercurio) hat seinen Bass bis in extreme Stimmlagen gut im Griff.

Der Melodienreichtum in der Musik Händels wurde unter Michi Gaiggs Leitung mit reichen Orchesterfarben unterstützt, verstärkt durch expressive Continuo-Einwürfe. Das riskante Konzept von Regisseur Kobie van Rensburg ging auf: Dankbarer Jubel beim schwitzenden Publikum.





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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-08-07 16:29:30
Letzte Änderung am 2018-08-08 12:54:42


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