Natürlich hätte man das auch zu einer Satire über einen gewissen Politiker zuspitzen können. Ein Mann, der seine Frau durch eine junge Ausländerin ersetzen will, der dekretiert, "das einzige Gesetz ist meine Laune", und der nur nach einem noch mehr giert als nach Frauen, nämlich Ruhm - ein solcher Mann ist, jedenfalls im Lichte der globalen Presse, Donald Trump. Es ist verblüffend, wie nah er dem Charakter des Bey Mustafà kommt, diesem Orientdespoten in Gioachino Rossinis Opernkomödie "L’italiana in Algeri".

Moshe Leiser und Patrice Caurier, Regiestammgäste in Salzburg, sind den Stoff auch durchaus modern angegangen, sie zielen aber nicht auf politische Brisanz. Ihre Produktion, bereits bei den Pfingstfestspielen vom Stapel gelaufen, exerziert das Erfolgsrezept des Duos wieder einmal vor: Es bugsiert Opernkomödien so knallbunt und augenzwinkernd in die Gegenwart, dass selbst geschworene Feinde des Regietheaters mitlachen. Gewiss: Das ist Konsens-Unterhaltung, die keinem wehtut - aber von hoher Handwerkskunst.

1001 Pointen

Und der Ansatz steht der "Italienerin" gut an, verdankt sie sich doch selbst einem Mix aus Effektsicherheit und Komödiantik. Rossinis Pfefferrhythmen kitzeln das Ohr, während das Libretto ein ganzes Figurenarsenal durch den Kakao zieht: den Orient-Pascha und seine Schergen, die Italo-Primadonna mit dem Stampf-auf-Temperament, auch einen ältlichen Verehrer aus ihrer Heimat. Leiser/Caurier errichten im Haus für Mozart ein Karikaturen-Kaleidoskop mit tausend und eins Slapstick-Pointen: Ihr Mustafà führt eine Organisation, die schwungvollen Handel mit Flachbildschirmen, aber offenbar auch Sklaven treibt, ihr Algerien ist eine Nation der schlammigen Autos, Kamele und Zementklotzbauten mit Satellitenschüssel-Bewuchs; und die entführte Italienerin spielt ihre Verführungstrümpfe aus wie eine Comicfigur. Lechz! Hat die Frau in der Badewanne ihrem Möchtegern-Eroberer auch schon BH und Höschen vor die Nase gezwirbelt.

Wie Cecilia Bartoli, verdienter Publikumsliebling und Pfingst-Intendantin, die zugehörige Arie aus der Wanne gurrt, wie sie ihren Ton auf ein neckisches ReizwäscheNichts reduziert, markiert den musikalischen Höhepunkt des Abends. Teils etwas herb im Ton, bringt Bartoli hier ihre Qualitäten Charme und Schalk zur Fusion.

Könnte man sich Kamele für Stimmkraft kaufen, besäße Ildar Abdrazavok eine ganze Herde: Sein Bass stellt Machtfülle zur Schau, seine Tapsigkeit und Toilettefehler (das prall gespannte Unterleiberl!) setzen den komödiantischen Kontrapunkt. Dass die wahre Liebe der Italienerin Bob-Marley-Zigaretten raucht und Jamaika-Stirnband trägt, wirkt an den Rasta-Zotteln herbeigezogen; Edgardo Rocha verleiht diesem Lindoro aber honigsüße, meist sichere Töne, getragen vom federnden Klang des schmal besetzten Ensembles Matheus (Dirigent: Jean-Christophe Spinosi). Und Alessandro Corbelli? Ein herrlicher Unglücksrabe, der nicht bei der Grazie landet, dafür aber in Mustafàs Gangster-Gang und dies mit saftigem Ton in neuer Berufskleidung (rosa Trainingsanzug!) besingt. Ein Triumph der Ausstattungs- und Pointenfantasie - und des Temperamentbündels Bartoli.