• vom 16.08.2018, 16:38 Uhr

Bühne

Update: 16.08.2018, 16:53 Uhr

Opernkritik

Aus einem Schneckenhaus




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Im Klangbild lodert aber die Leidenschaft. Larcher arbeitet mit den Techniken der "Neuen" Musik, aber auch mit dem Repertoire vertrauter Harmonien und verwebt beides so gekonnt, dass sich nur selten Stilbrüche einstellen. Sirr- und Scharrgeräusche überlagern eine Akkordfolge, die wie aus einem Requiem geborgt scheint, überhaupt webt das Orchester vibrierende Klangteppiche, und die Sänger psalmodieren darüber wellenförmig auf und ab.

Schönheit im Grauen

Diese Besinnungsklänge werden aber immer wieder gesprengt. Dann tobt das schlagkräftige Orchester (mit Saxofon, Klavier, Zymbal und reichlich Perkussion) nach allen Regeln der Neutonkunst, lässt Klangpartikeln abstürzen und hochschießen, die Streicher greinen und die Bläser winseln. Am heftigsten fällt die Detonation aus, wenn Saiko vom Abwurf einer Atombombe erzählt. Wie grell das Orchester dröhnt, wie jäh es verstummt und wie verloren dann nur noch diese Frauenstimme in der Luft hängt und sich nach den Armen ihres früheren Mannes sehnt - allein aus dem Grund würde man diese Oper gern noch einmal sehen.

Das Ensemble kann sich hören lassen: Giulia Peri verleiht der Midori die Töne eines empörten Singvogels, Olivia Vermeulen singt die Konkurrentin Saiko mit schlackenlosem Mezzo, Sarah Aristidou (Shoko) macht ihrer Verzweiflung im hohen Quietschregister Luft. Dazu vermittelt Andrè Schuen jenen bärbeißigen, unpersönlichen Josuke, wie er im Buche steht, und Robin Tritschler lässt den Dichter aus der Rahmenhandlung mit lyrischem Timbre auftreten. Der namhafte Debütant an der Opernregiekanzel ist Karl Markovics: Passend zum Tonfall der Novelle verzichtet er auf eine detailreiche Personenführung und verleiht den Sängern den kalten Zauber der Unnahbarkeit.

Dirigent Michael Boder arbeitet sich daneben bravourös an den Finessen der Partitur ab: Er bringt das Ensemble Modern immer wieder punktgenau zum Ausbruch und hält nicht nur die Solisten auf Kurs, sondern auch die Chorsänger der Schola Heidelberg, die hie und da rätselhafte Harmonien beisteuern, so verschlungen wie das Schicksal der Charaktere.

Am Ende dieses Abends zwar kein begeisterter, aber ein wertschätzender Applaus. Es wäre diesem "Jagdgewehr" - trotz seines Mangels an dramatischem Knalleffekt - zu wünschen, nicht nur in Bregenz zum Einsatz zu kommen.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-08-16 16:47:38
Letzte Änderung am 2018-08-16 16:53:17


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