Zurück auf die Bühne. Auch dort eine Drehscheibe, die alle Stückeln spielt: Vor- und Rücklauf, in die Schräge kippbar. Ein Meer, durch das sich Ruderknechte plagen, ein Schlachtfeld im Stroboskopgewitter, ein Eisgebirge, über das Überlebende sich heim nach Susa schleppen. Schon Aischylos nutzte als sein eigener Regisseur bewegliche Aufbauten über der Orchestra ("Theologeion") sowie herbeigerollte Nebenbühnen ("Ekkyklema").

Solche Wiederbelebungen blieben freilich nur Gaudi der klassischen Altertumswissenschaften ohne Rasches kühnen politischen Dreh im Text. "Die Perser" werden der Gräuelbeschreibungen wegen gerne als Antikriegsstück verstanden sowie als humanes Beispiel dafür, wie ein Feind von gestern die Schmerzen der Besiegten mitzufühlen bereit ist.

Eine Doppelbotschaft


Rasche arbeitet Aischylos’ Doppelbotschaft heraus. Den Athenern pries er den Vorteil der Demokratie gegenüber dem orientalischen Feudalismus, wo ein einziger schwacher Herrscherspross ein Reich ruiniert. Perserkönig Xerxes Johannes Nussbaum schaut ja wirklich aus wie ein stupider Unternehmersohn, der aus dem Straßengraben seinem Porsche-Wrack entstieg. Doch der Dichter, selber Kriegsteilnehmer, warnt auch die Athener: Jeder Klage über die Niederlage folgt der Wunsch nach Vergeltung.

Aischylos ließ seine Tragödie mit einem Trauer-Wechselgesang enden. Der Grieche wusste - was noch Goethe in der "Iphigenie" lehrte -, dass Barbaren tiefer fühlen als die attische Zivilgesellschaft. In Rasches Schlussszene steigern sich die 15 halbnackten, leibgegürteten, mit Schlamm statt Ruhm bekleckerten Schlachtheimkehrer in einen gestrampften hasserfüllten Revancheschrei: "Trau’re Persien, aber sieg!" Ein ekstatischer Männerchor. Auch Einar Schleef, verliebt gewesen in viriles bis militaristisches Gebrüll, hätte applaudiert.

Theater

Die Perser

Von Aischylos

Ulrich Rasche (Regie)

Mit Katja Bürkle, Valery Tscheplanowa, Patrycia Ziolkowska u. a.

Salzburger Festspiele im Landestheater

Wh.: Bis 27. August