Besetzungsluxus: Aida Garifullina als Leila. - © Festspiele/Marco Borrelli
Besetzungsluxus: Aida Garifullina als Leila. - © Festspiele/Marco Borrelli

Ganz so aufgelegt wie bei "Carmen" war die Sache für Georges Bizet bei "Les Pêcheurs de perles" nicht. Spanischer Lokalkolorit macht sich gleichsam von selbst. Aber jener von Ceylon/Sri Lanka? Dort spielen Bizets "Perlenfischer", die sich empfehlen für einen Spitzenplatz auf der Liste hanebüchener Opernhandlungen. Zwei Jugendfreunde, einst in dieselbe schöne Priesterin verliebt, haben ihre Freundschaft gerettet, indem sie - vermeintlich - beide dieser Traumfrau entsagten. Diese wiederum schneit als verschleierte Jungfrau herein, um mit ihrem Gesang den Gott Brahma und die Meeresdämonen günstig zu stimmen. Schon in der ersten Nacht ist es ob des aufdringlichen Tenors um die Unschuld der Dame geschehen.

Riccardo Minasi, Chefdirigent des Mozarteumorchesters, ist der Temperamentvollsten einer. Er dreht gerne an der Temposchraube. Der Jubel am Donnerstag im Großen Festspielhaus war nicht nur der illustren Sängerschar mit Plácido Domingo an der Spitze geschuldet, sondern auch manchem orchestralen (Stroh-)Feuer.

Aber war das Ergebnis wirklich Bizet? Der Detail-Blick Minasis wirkt mitunter entlarvend, macht überdeutlich, warum die "Perlenfischer" nie in die Charts gekommen sind. Tolle vokale Gestik, daneben Lieschen-Müller-Melodik, die so deutlich erst herauskommt, wenn ein Analytiker mit rasender Unbarmherzigkeit auch die Schwächen einer Partitur aufdeckt.

Wieder einmal hat Plácido Domingo, unterdessen 77, "seine" Rolle gefunden: Zurga, der Bariton im Duo der Männer-Seilschaft in Sachen Liebesverzicht. Diese Rolle hält viele kantable Linien in einem Register bereit, in dem Domingo mehr als die Ahnung seiner großen Tenor-Vergangenheit vermittelt. Luxus rundum: Javier Camarena (Nadir), Aida Garifullina (Leila), Stanislav Trifomov (Nourabad). Blendend einstudiert und gewandt der Philharmonia Chor Wien (Einstudierung Walter Zeh).