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Bühne

Update: 27.08.2018, 16:04 Uhr

Neil Simon

Gags mit Tiefgang




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Von Petra Paterno

  • Sprachwitz und Situationskomik: zum Tod des US-Dramatikers Neil Simon.

- © Jonathan Ernst/Reuters

© Jonathan Ernst/Reuters

Der Broadway ist wohl ein ewiges Mysterium. Das New Yorker Theaterviertel vermochte selbst für den "König des Broadway" noch offene Fragen bereit zu halten. "Nach all den Jahren verstehe ich immer noch nicht, wie der Broadway funktioniert", gestand Neil Simon der "New York Times" in einem Interview im Jahr 2009, als die Neuauflage seines Stückes "Brighton Beach Memoirs" floppte und abgesetzt wurde. Zu diesem Zeitpunkt war Simon längst einer der bekanntesten Dramatiker Amerikas, dessen Name "synonym mit Broadway-Komödien und Erfolg war".

Neil Simons große Zeit waren unbestritten die 1960er Jahre. Damals eroberte der New Yorker Dramatiker mit der wuchtigen Brille den Broadway wie keiner zuvor. Er lieferte Kassenhits am laufenden Band: Etwa der Alltime Klassiker "The Sunny Boys", der Abgesang auf zwei ehemalige Entertainer wurde mehrfach verfilmt, oder das mit Frank Sinatra verfilmte Bühnenstück "Wenn mein Schlafzimmer sprechen könnte". Einmal liefen vier seiner Stücke gleichzeitig im Theaterviertel rund um den Times Square - eine Novität. Auf dem Spielplan standen "Barfuß im Park" (verfilmt mit Robert Redford und Jane Fonda), das Musical "Sweet Charity", "The Star-Spangled Girl" und "Ein seltsames Paar".


Sprachwitz und Komik
In "Ein seltsames Paar", Simons vielleicht bekanntestem Bühnenstück aus dem Jahr 1965, geht es um zwei von ihren Frauen verlassenen Männern, deren Welt daraufhin auf überaus amüsante Weise aus den Fugen gerät. In der Verfilmung mit dem legendären Komikerduo Jack Lemmon und Walter Matthau avancierte die an Situationskomik reiche Männerwohngemeinschaft zum Komödienklassiker. Mit nachhaltigem Erfolg: 1998 kam "Immer noch ein seltsames Paar" in der Originalbesetzung in die Kinos. Kritiker würdigten Neil Simon als Schriftsteller, der dazu beigetragen habe, "den amerikanischen Humor neu zu definieren", andere wiederum sahen in ihm einen routinierten Gagschreiber, der einfach die Gesetze des Boulevards befolgt. Zweifelsohne war er einer der produktivsten und erfolgreichsten Komödienschreiber Amerikas, dessen vielfach ausgezeichneten Stücke weltweit übersetzt und gespielt wurden.

Sein Gespür für die Schwächen der Menschen, kombiniert mit Sprachwitz und Situationskomik verhalfen ihm zu dieser enormen Popularität. Obwohl das Theater stets seine Passion blieb, schrieb er auch Drehbücher für Film und Fernsehen sowie Musical-Libretti.

In den 1980er und 199er Jahren setzte sich Simon in der Trilogie "Brighton Beach Memoirs", "Biloxi Blues" und "Broadway Bound" verstärkt mit der eigenen Geschichte und seiner jüdischen Herkunft auseinander. 1927 im New Yorker Stadtteil Bronx geboren, wuchs Marvin Neil Simon in ärmlichen Verhältnissen auf. Der Vater, ein in der Großen Depression arbeitslos gewordener Vertreter, ließ die Familie im Stich, die Mutter brachte die Kinder allein durch. Mit seinem Bruder Danny schrieb Neil schon als 15-Jähriger Gags und Sketche für das Radio.

Das autobiografisch geprägte "Lost in Yonkers" wurde 1991 mit dem Pulitzer Preis ausgezeichnet. Der Komödienautor, nun auch im ernsten Fach angekommen.

Rückblicke
Simons Spätwerk wie "Dinner Party" (2000) oder "45 Seconds from Broadway" (2001) stieß indes auf durchwachsenes Echo. Erfolge feierte der Autor zuletzt mit seiner 2016 erschienenen Autobiografie "Neil Simon’s Memoirs" sowie mit Fernseh-Remakes vergangener Bühnenhits.

"Ich fühle mich immer dann lebendig, wenn ich allein in einem Zimmer sitze und mit meiner Smith-Corona Worte zu Papier bringe", schrieb der Autor in einem Vorwort. Am 26. August ist Neil Simon im Alter von 91 Jahren in New York an den Folgen einer Lungenentzündung gestorben.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-08-27 15:59:54
Letzte Änderung am 2018-08-27 16:04:22


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