• vom 31.08.2018, 16:26 Uhr

Bühne

Update: 31.08.2018, 17:27 Uhr

Jubiläum

Vom Kaiserbau zur Pointenfabrik




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Von Christoph Irrgeher

  • Die Volksoper feiert mit einem Fest 120. Geburtstag. Direktor Robert Meyer über die neue Saison.

Seit elf Jahren im Direktionszimmer - und in der "Cs rd sfürstin" mit Sigrid Hauser auf der Bühne: Robert Meyer.

Seit elf Jahren im Direktionszimmer - und in der "Cs rd sfürstin" mit Sigrid Hauser auf der Bühne: Robert Meyer.© Robert Newald Seit elf Jahren im Direktionszimmer - und in der "Cs rd sfürstin" mit Sigrid Hauser auf der Bühne: Robert Meyer.© Robert Newald

Ein griffiger Name war es nicht. Er machte dem Widmungsträger aber alle Ehre: Als im Dezember 1898 eine neue Wiener Bühne eröffnet wurde, da hieß sie Kaiser-Jubiläums-Stadttheater. Es galt, einen Akt von royaler Ausdauer zu würdigen: Kaiser Franz Joseph saß seit 50 Jahren auf dem Thron.

Nun feiert das Haus, das längst Volksoper heißt, selbst Geburtstag: Seit 120 Jahren bespielt es den Währinger Gürtel - und hat sich dabei wandlungsfreudiger gezeigt als der konservative Monarch. Ursprünglich als Sprechtheater eröffnet, wagte sich die Bühne ab 1903 an Opern, brachte die erste Wiener "Tosca" heraus und schreckte als Pionier auch nicht vor der skandalösen "Salome" zurück. Dieser Kurs war in bewegten Zeiten aber nicht von Dauer: Es folgte ein Zickzack zwischen großer und kleiner Oper, zwischen Novitäten, Operetten und erneut Sprechtheater, mit wechselndem Erfolg und Besitzer.

Information

Am Samstag feiert die Volksoper ihren Geburtstag ab 16 Uhr mit einem Fest im Arne-Carlsson-Park (9., Ecke Währinger Straße/Spitalgasse). Geboten werden Kinderunterhaltung, reichlich Musik und ab 19.30 Uhr ein Festkonzert mit Stars wie Daniela Fally und Drew Sarich; der Eintritt ist frei. Bei Schlechtwetter findet das Konzert um 20 Uhr im Haus statt.

Csárdásfürstin trifft Holländer

Seit 1955 heißt die Bühne nun dauerhaft Volksoper und steht als Bundestheater auf finanziell sicheren Beinen. Das Programm schwankte allerdings weiterhin ein wenig: Je nach dem Gusto des Direktors bewies es eher Wagemut oder Volksnähe.

Ab 2007 keine solchen Sprünge mehr: Schauspieler Robert Meyer sitzt seither auf dem Chefsessel, stellt sich immer wieder selbst auf die Bühne - und setzt stark auf Komödien. Frage an ihn: Ist die Volksoper heute vor allem ein Ort der Unterhaltung? "Ja, sicher." Meyer fasst den Begriff aber sehr weit: "Ich betrachte auch die sogenannte ‚hohe‘ Kunst als Unterhaltung, und dafür ist dieses Haus immer schon gestanden. Wer sich 1898 unterhalten wollte, musste ins Theater. Radio, Fernsehen oder Internet gab’s ja nicht."

Das Programm hat sich seither freilich stark verändert. Das Kaiser-Theater öffnete seine Pforten mit der "Hermannsschlacht", einem fünfaktigen Drama Heinrich von Kleists. Die neue Volksopernsaison startet mit der Operette "Die Csárdásfürstin" (ab 16. September mit Robert Meyer); im Dezember wird Leonard Bernsteins "Wonderful Town" für beschwingte Musical-Töne sorgen.

Ein Fach, für das der Direktor überhaupt ein Faible hegt. Lassen sich mittlerweile Parallelen ziehen zwischen seinem Haus und den beiden Musical-Bühnen der Stadt, also dem Raimundtheater und dem Ronacher? Nicht wirklich, findet Meyer. Erstens setzt er ja nur klassische Broadway-Musicals an. Zweitens zeigt er ein solches Stück nicht monatelang en suite, sondern nur an einzelnen Abenden im Rahmen eines Repertoirebetriebs mit Opern, Operetten und Ballett. Das sorgt nicht nur für Vielfalt. Meyer: "Wir sind dadurch auch nicht so abhängig von einer einzelnen Produktion, wobei ich vor jeder Premiere natürlich auf einen Riesenerfolg hoffe."

Einen solchen wünscht er in dieser Saison auch einer Oper, die man hier nicht vermuten würde: Wagners "Fliegender Holländer" wird im März 2019 am Gürtel anlegen. Meyer: "Warum sollten wir uns nicht daran wagen dürfen? Der ‚Holländer‘ wird auch in kleineren Stadttheatern gespielt. Und wir können ihn fast vollständig aus unserem Ensemble besetzen."

Konwitschny zu Gast

Ein Anliegen, sagt Meyer, sind ihm auch zeitgenössische Opern. Fragt sich nur: Warum spielt er sie nicht hier am Haus, sondern im kleineren Kasino am Schwarzenbergplatz? "Es gibt für diese Werke einfach nicht sehr viel Publikum. Im Kasino können wir mehr Termine ansetzen - was für die Sänger wesentlich befriedigender ist als wenige Vorstellungen im großen Haus", sagt Meyer, der im April Thomas Adès’ "Powder Her Face" zeigen wird und nebenbei mit einer Ankündigung aufhorchen lässt: Die Regietheater-Legende Peter Konwitschny wird bei ihm inszenieren. Wann und was, verrät Meyer noch nicht. Bis Sommer 2022 ist damit zu rechnen, denn dann endet Meyers mehrfach verlängerter Vertrag.

Apropos: Wird er dann wirklich sein Amt niederlegen oder womöglich so lange Direktor sein, bis das Haus in Robert-Meyer-Jubiläumstheater umbenannt wird? Der Prinzipal lacht: "Ich werde jedenfalls so lang als Schauspieler auftreten, wie ich mir Texte merken kann. Was die Direktion betrifft: Sie wird in zwei Jahren ausgeschrieben werden. Lassen wir uns überraschen, wie es weitergeht."






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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-08-31 16:35:59
Letzte Änderung am 2018-08-31 17:27:30


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