• vom 04.09.2018, 16:22 Uhr

Bühne


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"Feminismus ist notwendig"




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Von Petra Paterno

  • Kosmos-Intendantin Veronika Steinböck stellt ihr erstes Programm vor: Rückblick und Ausblick.

"Wir setzen den Weg fort", sagt die neue Kosmos-Intendantin Veronika Steinböck. - © apa

"Wir setzen den Weg fort", sagt die neue Kosmos-Intendantin Veronika Steinböck. © apa

Wien. "Wir setzen den Weg fort", mit diesem programmatischen Versprechen stellt die neue Kosmos-Intendantin Veronika Steinböck ihren ersten Spielplan für 2018/19 vor. "Ein feministisches Theaterhaus ist zeitgemäß und notwendig." Am 19. und 20. Oktober startet das neue Leitungsteam - neben der künstlerischen Leiterin ist Gina Salis-Soglio für kaufmännische Belange zuständig - mit einem zweitägigen Fest in die erste Spielzeit. Die Eröffnungsrede der Bühne in Wien-Neubau wird Marlene Streeruwitz halten.

Im Jahr 2000, als das Kosmos von Gründungsintendantin Barbara Klein, nach langem Tauziehen mit der Stadt Wien und einer spektakulären Besetzung des ehemaligen Pornokinos Rondell, ins Leben gerufen wurde, stand Elfriede Jelinek am Podium, eskortiert von einer Frauen-Phalanx. Die Eröffnung des Kosmos-Theaters ging seinerzeit mit einer gewissen Aufbruchstimmung einher. Allein der Coup, dass Männer mehr Eintritt zahlen sollten als Frauen, da sie auch mehr verdienten, war eine Zeit lang Stadtgespräch. Auch das Angebot unterschied sich deutlich von herkömmlichen Theaterspielplänen. Es gab basisdemokratische Diskussionen und Aktionen, sogar feministische Stadtwanderungen fanden sich im Portfolio. Doch die Anfangseuphorie verflog bald.


Quotenregelungen
Vor allem in den letzten Jahren von Kleins Intendanz haftete dem Kosmos-Theater, das aus finanziellen Gründen weniger Eigenproduktionen zeigte und zunehmend Gastspiele durchwinkte, das Image einer etwas verstaubten Mittelbühne an. Nicht immer zu Recht. Doch die Frage, ob es im 21. Jahrhundert noch ein erklärtes Frauentheater brauche, wurde zunehmend erhoben.

Barbara Klein hielt mit Quotenforderungen dagegen und setzte in ihrem Theater weiterhin durch, dass das Leading-Team überwiegend weiblich war.

Diametral zum Stadttheater
Ähnlich geht die vom Kosmos-Trägerverein eingesetzte Nachfolgerin nun die Sache an. Etwa zwei Drittel der am Kosmos künstlerisch Tätigen sind Frauen. "Mit dieser Quote stehen wir diametral zum Stadttheater", sagt die Neo-Intendantin und macht sich in ihrem Programm für einen "Gegenentwurf zur männlich-weißen Narration" stark. "Zwei Drittel der Theaterbesucher sind weiblich", so Steinböck, dieses Verhältnis sollte sich endlich auch auf und hinter der Bühne widerspiegeln.

"Mütter" heißt denn auch die erste Premiere, die am 30. Oktober uraufgeführt wird. Die Stückentwicklung, angekündigt als "ekstatisch-matriarchale Kosmologie", wird von Milena Michalek umgesetzt. Die Theatermacherin, in der freien Szene bekannt durch ihr Künstlerkollektiv Yzma, ist übrigens die Tochter von Intendantin Steinböck. Sara Ostertag, Regisseurin der Bühnenformation makemake, wird die Zusammenarbeit mit dem Kosmos ("Muttersprache Mameloschn") fortsetzen und bringt im Dezember ihre Auseinandersetzung mit Gesine Schmidts "Begehren" auf die Bühne. Im Jänner 2019 steht mit "Träum weiter" ein Projekt von Amina Gusner am Programm, in dem es um eine Fortschreibung von Maxi Wanders "Guten Morgen, du Schöne" geht.

Die budgetäre Situation der Bühne ist seit Kleins Rückzug unverändert prekär: Die Spielzeit 2018/19 ist noch mit Förderungen in der Höhe von 600.000 Euro (Stadt Wien) und 85.000 Euro (Bund) gesichert. Wie es nach 2019 weitergeht, ist weiterhin offen. "Wir gehen auf Risiko und hoffen auf Zuspruch" zeigen sich die Leiterinnen indes optimistisch.




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Dokument erstellt am 2018-09-04 16:33:01


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