• vom 05.09.2018, 10:46 Uhr

Bühne

Update: 05.09.2018, 13:07 Uhr

Theater in der Josefstadt

Föttinger bleibt Direktor und plant dritte Bühne




  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von WZ Online, APA

  • Neue Spielstätte "Josefstadt-Box" soll für Experimente offenstehen.

Herbert Föttinger (mitte), Michael Buchbinder, (l.) und Otto Schenk (r.) anl. einer Feier zum 88. Geburtstag von Otto Schenk. Am Mittwoch wurde bekannt, dass Herbert bleibt bis 2026 Direktor des Theaters in der Josefstadt bleibt.

Herbert Föttinger (mitte), Michael Buchbinder, (l.) und Otto Schenk (r.) anl. einer Feier zum 88. Geburtstag von Otto Schenk. Am Mittwoch wurde bekannt, dass Herbert bleibt bis 2026 Direktor des Theaters in der Josefstadt bleibt.© APAweb / Hans Punz Herbert Föttinger (mitte), Michael Buchbinder, (l.) und Otto Schenk (r.) anl. einer Feier zum 88. Geburtstag von Otto Schenk. Am Mittwoch wurde bekannt, dass Herbert bleibt bis 2026 Direktor des Theaters in der Josefstadt bleibt.© APAweb / Hans Punz

Wien. Das Theater in der Josefstadt startet am morgigen Donnerstag mit der Uraufführung von Daniel Kehlmanns Dramatisierung "Die Reise der Verlorenen" in die neue Spielzeit. Am heutigen Mittwoch stand im Rahmen einer Pressekonferenz jedoch auch die fernere Zukunft im Fokus: Der bis 2021 laufende Vertrag von Herbert Föttinger wurde bis 2026 verlängert, als neues Projekt stellte er eine dritte Bühne vor.

Neuer Raum mit Platz für 49 Zuschauer

Die sogenannte "Josefstadt-Box" soll in den kommenden Jahren "hier im Haus" realisiert werden, und zwar an der Stelle des derzeitigen Abo-Büros. Der Raum soll Platz für 49 Zuschauer bieten und es dem Theater in der Josefstadt ermöglichen, "jungen Regisseuren einen Ort zu bieten, wo sie auch mal in Ruhe etwas ausprobieren können", so Föttinger im Rahmen der Spielzeitpressekonferenz. Im Zuge dessen werde auch der Kassenraum neu gestaltet und das Abo-Büro in Räumlichkeiten in den oberen Stockwerken des Hauses verlegt. Was die Kosten betrifft, könne man noch keine genauen Zahlen nennen.

"Es wird aber sicher mehr als die 1,5 Mio. Euro, die die Renovierung der Werkstätten gekostet hat", hielt der Direktor fest. Die jüngst von der Stadt Wien und dem Bund gesicherte Subventionserhöhung werde jedenfalls nicht für das Bauvorhaben verwendet, diese Gelder dienen demnach ausschließlich der Deckung gestiegener Personalkosten.

"Allein die Lohnanpassungen kosten uns pro Jahr zwischen 400.000 und 450.000 Euro", konkretisierte Stiftungsvorstand Günter Rhomberg, der Föttinger im Zuge der Vertragsverlängerung bis 2026 Rosen streute. Föttinger habe das Haus seit seinem Antritt in der Saison 2006/07 zum "leistungsfähigsten Theater des Landes" gemacht, was der Eigendeckungsgrad von 40 Prozent belege. Er sei zuversichtlich, mit Föttinger auch in Zukunft einen Partner zu haben, der neben dem künstlerischen stets auch den ökonomischen Aspekt im Auge behalte.

Föttinger freut sich über "personenzentriertes Ensemble"

Föttinger selbst freute sich, in den vergangenen Jahren ein "personenzentriertes Ensemble" aufgebaut zu haben, das seit seinem Antritt von 24 auf 55 Schauspieler angewachsen sei. Sein Ziel sei es gewesen, das Theater zum "Haus der lebenden Autoren" zu machen, was mit zahlreichen Uraufführungen in den vergangenen Jahren gelungen sei. Auch programmatisch sei ein "modernes, zeitgemäßes Haus, das sich dem 21. Jahrhundert annähert" sein Wunsch, während er die Kammerspiele zu einem "urbanen Komödienhaus" gemacht habe. "Es gibt kein Schwanktheater mehr", meinte er in Richtung der Entwicklung im deutschen Sprachraum.

Die kommende Spielzeit steht ganz im Zeichen des laufenden Gedenkens an die Jahre 1918 und 1938, die Themen Heimat, Flucht und Fremdheit ziehen sich durch die Produktionen. Den Anfang macht morgen, Donnerstag, Kehlmanns "Die Reise der Verlorenen". Das Stück basiert auf dem Buch "Voyage of the Damned" von Gordon Thomas und Max Morgan-Witts, das 1976 von Stuart Rosenberg verfilmt wurde. Janusz Kica inszeniert das Stück, in dem es um die Flucht von 937 Juden im Jahr 1939 geht, mit 33 Schauspielern und 20 Statisten. Für Kehlmann war es dabei "eine Herausforderung, wie man diese Recherche auf die Bühne bringt", wie er bei der Pressekonferenz sagte. Schließlich habe er sich dazu entschlossen, "mit der Form des Berichts zu spielen" und Dokumentartheater mit gespielten Szenen abzuwechseln.

Morgan-Witts zeigte sich von Kehlmanns Textfassung "begeistert", zumal die Verfilmung "nicht mein Ding war", wie er erläuterte. Föttinger freute sich, dass das Stück nun mit Peter Turrinis "Fremdenzimmer" eine "Dilogie" zum Thema "Auf der Flucht" ergebe. Am 6. Oktober, 24. November und 19. Jänner werden beide Stücke hintereinander gespielt, beide Vorstellungen können zum Preis von einer besucht werden. Darüber hinaus wartet das Theater mit weiteren Uraufführungen auf: Auf Kehlmann folgt am 13. September Daniel Glattauers "Vier Stern Stunden" in den Kammerspielen, "Die Trottas" von Elmar Goerden nach Joseph Roth haben Premiere am 16. Mai. David Schalkos "Toulouse" (Premiere am 11. April in der Josefstadt) ist ebenfalls als Uraufführung angekündigt, allerdings annonciert das Staatstheater Wiesbaden die "Erstaufführung der Bühnenfassung" des gleichnamigen Schalko-Fernsehfilms (ARD strahlt den Sturminger-Verfilmung am 12. September aus) bereits für den 2. Oktober.





Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2018-09-05 10:47:35
Letzte Änderung am 2018-09-05 13:07:39


Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Krisengebiet Mann
  2. Salzburger Eskapaden
  3. Der Twist in einer toten Karriere
  4. Dem Vergessen entgegenwirken
  5. Die Türen: Lieder, die ins Kraut schießen
Meistkommentiert
  1. "Selbstbewusst einen lauten Schas lassen"
  2. Menasse bekommt trotz Kritik Zuckmayer-Medaille
  3. Roman unter Wahrheitspflicht
  4. "Kammermusik ist fast wie Urlaub"
  5. Led Zeppelin: Als das Luftschiff fliegen lernte

Werbung



Der Deutsche gab am Pult im Goldenen Saal des Musikvereins den Kapellmeister Deluxe.

Förderpreisgewinner Christoph Fritz mit Moderatorin Verena Scheitz und "vormagazin"-Chefredakteur Christoph Langecker. Peter Handke bei der Verleihung des 19. Wiener Theaterpreises "Nestroy" im Theater an der Wien. Hier mit dem Preis für sein Lebenswerk.

Neo-Viennale-Chefin Eva Sangiorgi (links) mit der Regisseurin des Eröffnungsfilms Alice Rohrwacher Sozialdemokratische Kundgebung für das Frauenwahlrecht, Wien-Ottakring, 1913


Werbung