Wien. Das Schauspielhaus Wien will seinen "Weg eines politisch engagierten, ästhetisch und inhaltlich avancierten Autorentheaters" weitergehen. Daher hat Schauspielhaus-Leiter Tomas Schweigen "vor dem Sommer das Angebot der Stadt Wien angenommen, meinen Vertrag bis 2023 zu verlängern". Programmatisch stehe man weiterhin "für ein liberales Europa", wie es am Freitag bei der Spielplanpräsentation hieß.

Ausdruck davon ist bereits die Eröffnungsproduktion: Am 26. September startet das Haus in Wien-Alsergrund mit der österreichischen Erstaufführung einer Dramatisierung von Robert Menasses preisgekröntem EU-Roman "Die Hauptstadt". Regie führt die junge deutsche Regisseurin Lucia Bihler, die am Haus 2016 bereits Schnitzlers "Der grüne Kakadu" inszeniert hat; die Bühnenfassung hat sie gemeinsam mit dem Dramaturgen Tobias Schuster erarbeitet. Parallel dazu geht das Festival "melancholie im september - survival of the weakest" über die Bühne: In Kooperation mit der Schule für Dichtung will man ein "Seil über die Abgründe der Schwermut" spannen: Gestartet wird am 27. September mit einer Ausstellung von Bachmannpreis-Publikumspreisträgerin Raphaela Edelbauer und ihrer Klasse in der Schule für Dichtung, es folgen zwei Festivalabende am Schauspielhaus.

Weiter geht es am 8. November mit der österreichischen Erstaufführung von "Schlafende Männer", dem jüngsten Stück von Martin Crimp, der sich dafür von Maria Lassnigs gleichnamigem Gemälde inspirieren ließ. Im Zentrum steht das spontane Aufeinandertreffen zweier Paare: Laut Regisseur Schweigen zunächst eine ähnliche Konstellation wie in Albees "Wer hat Angst vor Virginia Woolf", die der britische Autor jedoch bald aufbricht. Mit "Autos" folgt am 12. Jänner die Uraufführung des neuen Stücks von Enis Maci, deren Stück "Mitwisser" im Zuge des Hans-Gratzer-Stipendiums 2017 entstanden war. Regie führt Franz-Xaver Mayr.

Eine weitere Uraufführung mit dem Titel "Sommer" steht ab 9. Februar auf dem Programm: In Sean Kellers neuem Stück - er ist Träger des Hans-Gratzer-Stipendiums 2018 - leben die Menschen im Jahr 3000 in einer Weltraumkolonie. Jener Teil der Menschheit, der auf der Erde zurückgeblieben ist, ist in einer Zeitschleife gefangen, in der immer wieder die Jahre 2000 bis 2020 ablaufen. Fieberhaft arbeiten sie an einer Exit-Strategie - laut Schweigen ein Stück über die Entstehung von Revolutionen.