• vom 07.09.2018, 16:40 Uhr

Bühne

Update: 07.09.2018, 17:02 Uhr

Opernkritik

Ein Fest der Klangfülle




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Von Christoph Irrgeher

  • Staatsoper: Umjubelte "Carmen" mit Erwin Schrott zum Saisonstart.

An sich ist die Geste ja im Sport zuhause. Erwin Schrott hat sie am Donnerstag einmal an der Oper vorgestellt. Von Beifall umbrandet und noch nicht ganz aus der Torero-Rolle geschlüpft, "gab er sich die Faust", wie Sportmoderatoren so sagen. Der Star-Bariton aus Uruguay ballte also eine Hand und schob den Unterarm immer wieder zackig nach vorn und zurück: die Triumph-Geste eines Kämpfers.

Gut möglich, dass diese Faust so manchen Bildungsbürger frappierte. Aber sie passte zum Jubelsturm, der an diesem ersten Saison-Abend durch die Wiener Staatsoper fegte. Und sie passte auch, weil Bizets "Carmen" hier gerade Energien von athletischem Ausmaß freigesetzt hatte.

Information

Staatsoper
Carmen
Wiener Staatsoper
Wh.: 9. und 12. September

Das Liebespaar, ein Treffen
der Generationen

Freilich: Das Temperamentsbündel Schrott war der Übertreibung auch diesmal nicht abhold. Der Mann mit der saftfleisch-üppigen Stimme betonte sein Klangvolumen hier und da über die Maßen. In der Gockel-Rolle des Escamillo ist das aber auch nicht ganz verkehrt.

Im Zentrum ein Treffen der Generationen: Marcelo Álvarez, Jahrgang 1962, geriet an die Carmen von Clémentine Margaine, ihres Zeichens 34-jährige Hausdebütantin aus Frankreich. Es spricht für den Abend, dass sich der Altersunterschied weder dem Auge noch dem Ohr auffällig mitteilte. Gemeinsamer Nenner: Gesang von hoher Dringlichkeit, wenn auch nicht höchster Perfektion in allen Lagen. Margaines Stimme gewinnt mit steigender Lautstärke: Ihr rubinroter, dichter Mezzo dürfte im Wagner-Fach dramatische Figur machen. Der Schönklangpreis des Abends geht an die Micaëla: Anita Hartigs distinkte, matt schimmernde Töne adelten das Mädel vom Land zur lyrischen Tragödin.

Dirigent Frédéric Chaslin befeuerte den Abend wie einst ein Heizer die Dampflok: Mit den spanischen Rhythmen als Brennstoff erzeugte er Drive und Wucht, jedoch auch ein paar heikle Momente für die Sänger. Erstaunlich, wie pünktlich der Erwachsenen- und Kinder-Chor dennoch arbeiteten. Zuletzt auch für sie zu Recht Jubel.





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-09-07 16:51:04
Letzte Änderung am 2018-09-07 17:02:53


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