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Bühne

Update: 11.09.2018, 11:36 Uhr

Interview

"Alle schreien nach Veränderung"




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Von Petra Paterno

  • Burg-Schauspieler Nicholas Ofczarek über Klaus Manns "Mephisto", den Rechtsruck und was er in der Politik vermisst.

Nicholas Ofczarek als "Mephisto" Hendrik Höfgen. - © Reinhard Werner

Nicholas Ofczarek als "Mephisto" Hendrik Höfgen. © Reinhard Werner

Klaus Manns Schlüsselroman "Mephisto", über den Schauspieler Gustaf Gründgens und dessen Aufstieg im Dritten Reich, eröffnet am 11. September die Spielzeit am Burgtheater. Nicholas Ofczarek verkörpert die Titelrolle.


"Wiener Zeitung": Wie haben Sie sich die an Gründgens angelehnte Figur des Opportunisten Hendrik Höfgen angeeignet?

Nicholas Ofczarek: Man spielt keine Figur, sondern Situationen, für die man einen theatralen Zugang finden muss. Höfgen ist ein vielschichtiger Charakter, der eine gewisse Faszination ausstrahlt - er besitzt durchaus diabolisches Charisma. Klaus Mann überschrieb seinen Roman schließlich nicht mit "Gründgens" oder "Höfgen", sondern mit "Mephisto". Das Buch ist auch keine Biografie, sondern Manns sehr persönliche Abrechnung, ein Werk voller Abgründe. Mir ist keineswegs daran gelegen, die Figur so zu spielen, dass ich die endgültige Antwort darauf gebe, wer oder was sie sein kann. Theater wird erst dann interessant, wenn man nichts Eindeutiges zeigt, sondern Fragen aufwirft. Auf die Frage, wie ich mich damals verhalten hätte, kann ich nur antworten: Ich weiß es nicht.

Eine Frage, die das Stück stellt: Kann man von einem berühmten Künstler erwarten, dass er mehr politische Verantwortung an den Tag legt als, sagen wir, ein Bühnenarbeiter?

Ich erwarte von jedem Menschen politische Haltung, egal ob er berühmt ist oder nicht. Politische Äußerungen von Schauspielern finde ich aber meistens entbehrlich.

Der Musiker Wolfgang Ambros äußerte sich unlängst politisch.

Seine Kritik an den Parteien war berechtigt. Unfassbar, dass darauf derart wehleidig reagiert wurde. Vermag aber ein einzelnes Interview, selbst wenn es in den Sozialen Medien Wellen schlägt, wirklich etwas zu verändern? Schärft es den Blick? Kaum. Wichtig ist es daher, im Alltag Haltung zu zeigen.

Die "Mephisto"-Bühnenfassung von Regisseur Bastian Kraft weicht an einigen Stellen vom Roman ab: Höfgen unterhält eine geheime Liebschaft mit einem Mann, nicht mit der farbigen Tänzerin aus dem Buch. Verändert das Ihr Spiel?

Gustaf Gründgens war homosexuell, zumindest bisexuell, was zu seiner Zeit einen äußerst gefährlichen Tabubruch darstellte. Angeblich überlegte Klaus Mann sogar, ob er Gründgens Sexualität im Roman thematisieren sollte, entschied sich am Ende aber dagegen. Ob ich die Figur dadurch anders spiele? Ich glaube nicht.

Das Stück hält auch Anspielungen auf das Theater bereit. Schauspielerei, heißt es etwa, sei "der schönste Beruf der Welt und gleichzeitig der härteste. Du darfst jeden Abend ein anderer Mensch sein, und doch ist es immer die eigene Haut, die du den Leuten zum Fraß vorwirfst."

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2018-09-07 17:03:04
Letzte Änderung am 2018-09-11 11:36:02


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