An Höfgen/Gründgens lässt sich trefflich studieren, wie sich ein Schauspieler von Rang und Namen, selbst kein überzeugter Faschist, an die neue Zeit anpasst: Mag er sich auch innerlich winden, nach außen hin gibt er sich assimiliert, profitiert vom Pakt mit dem Teufel. Von der Zustandsbeschreibung einer zerfallenden bürgerlichen Gesellschaft und der diabolischen Verführungskraft der Macht findet sich auf der Bühne wenig wieder. Die Aufführung erschöpft sich in simpler Methodik: Die Bühnenstellwände werden etwa derart ausgerichtet, dass sich das Burgtheaterpublikum darin spiegelt - und so gleichsam zum Auditorium für den "Ministerpräsidenten" wird; Martin Reinke spielt die an Hermann Göring angelehnte Figur - und kopiert seltsamerweise Hitlers schnarrende Diktion.

Regisseur Krafts Bühnenfassung sieht ferner einen Erzähler vor. Fabian Krüger führt in der Rolle des Autors Sebastian Bruckner wie ein Spielleiter durch den Abend. Die bei Romandramatisierungen nicht unübliche Herangehensweise führt dazu, dass die Handlung in aneinandergereihte szenische Miniaturen zerfällt. Die epische Spielweise der Akteure mit Frontalmonologen direkt ins Publikum verhindert tiefergehende Figurenentwicklung. Wer, wenn nicht Hendrik Höfgen, steht hier aber auf dem Prüfstand? Bei aller schauspielerischen Kunstfertigkeit, bei allem Formbewusstsein - Regisseur Kraft liefert mit seiner Inszenierung des Mephisto-Stoffs eine veritable Themenverfehlung.

Nicholas Ofczarek wirft sich mit aller ihm zu Gebote stehenden Verve in die Rolle, was nicht wenig ist: Bis zur Pause dominiert er das Spielgeschehen und überrennt seine Mitspieler - von Dörte Lyssewski und Sabine Haupt bis Peter Knaack und Martin Vischer - förmlich mit suggestiver Kraft. Er versucht, dem irregeführten Genie nahe zu kommen. Vergebens. Die Spielvorlage liefert ihm zu wenig szenische Möglichkeiten, um die Figur zu entfalten. Spätestens nach der Pause erschöpft sich "Mephisto" leider vollends in Pose und Behauptung.