Ein verpatzter Literaturabend für die Gäste eines Hotels im oberösterreichischen Almtal. Bis auf eine verglaste Raucherkabine wurde hier lang nichts investiert. Zwei Polstersessel, Teak und Sparbezüge, warten auf einen vorgeblich weltberühmten Autor, eine wohlvorbereitete Kulturjournalistin als Fragetante. Der verstorbene Altwirt ließ sich derlei Attraktionen einfallen. Sein Erbe in Lodenjanker und Hirschlederner kommt weder mit Kultur noch Technik zurecht. Er heiligt zwar Vaters Willen. Doch verpatzt er seine Ansprachen ans Publikum mit Hoppalas wie der stolpernde Dumme August im Zirkus. Das Wort "Bestsellercharts" kriegt er auch im dritten Anlauf nicht hin. Weil bald der Autor und die Ausfragerin aneinandergeraten, erklärt der Kulturerbe das Kulturerbe für beendet und kündigt der Bücherfee.

Wie in Thomas Bernhards "Theatermacher" gastiert eine wacklige Künstlerexistenz in der Provinz. Bei Bernhard fällt 40 Mal der Topos "Gaspoltshofen". In "Vier Stern Stunden", der Novität von Daniel Glattauer, fällt 40 Mal das Wort Kultur. Nach drei merkwürdigen Paarbeziehungen in den Kammerspielen ("Gut gegen Nordwind", "Alle sieben Wellen", Die "Wunderübung") verdoppelt Glattauer den Einsatz und lässt vier Menschen, selbstverständlich paarweise, glücklich werden. Der seltsame Titel meint Sternstunden für vier.

Das Elend des Kulturbetriebs

Alter Mann und junge Frau, neuer Chef und langgediente Mitarbeiterin. Zweimal Trennung, zweimal Zusammenfinden. Im Gespräch über die Präfixmechanik von "verzaubern" und "entzaubern" und "vergiften" und "entgiften" schießt dem Romanschreiber Frederic
Trömerbusch (August Zirner) und der Belesenen (Susa Meyer) die Liebe ein. Die flotte Bloggerin Lisa (Martina Ebm), die dem Nicht-mehr-50-Literaten den Weisel gibt, steigt mit dem Hausherrn (Dominic Oley) in die Sauna und wird ihm als Eventmanagerin dienen.

Daniel Glattauer stopfte kreuzweise Emotionen und viel Sprachwitz in 90 pausenlose Minuten. Den Bücherschreiber zeichnet er als Hohlredner und eitle Aphorismenschleuder. August Zirner gibt in den besten Augenblicken dem angeblichen Weltkünstler altersmelancholische Wehmut. Ein lästiger, doch auch erbarmungswürdiger Leergebrannter, der schon alles gesagt, geschrieben hat. Die Bloggerin testet in schwarzer Burka mit verstellter Stimme als Agent Provocateur die kulturelle Offenheit. Klar, dass der Kulturhoteldirektor durchfällt - er ruft nach dem Saalschutz.

An komischen Überraschungen fehlt es nicht im Bäumchen-wechsle-dich-Spiel. Doch der Siebzigerjahre-Mief des Pensionistenhotels im Voralpenland (subtiler Bildwitz von Ece Anisoglu) drückt Stimmung und Tempo. Kein Promi-Glamour wie beim Stanglwirt! Michael Kreihsls Regie lässt sich nur zaghaft ein auf das schäbige Hotel als Metapher für das Elend des Kulturbetriebs, in welchem Eventmarketing über jede Qualitätsfrage drüberfährt. Die Generationen driften im Kulturkonsum auseinander. Doch der bringt auch - Lustspielglück! - gleichgestimmte Paare fürs Leben zueinander.