Krieg und Mord verbinden das Paar: Lisa Rombach und Paul Schweinester. - © Armin Bardel
Krieg und Mord verbinden das Paar: Lisa Rombach und Paul Schweinester. - © Armin Bardel

Das Sirene Operntheater ist bekannt für Neuproduktionen mit dem Charme des Selbstgemachten. Ebenso bekannt ist das Familienunternehmen dafür, auf Dogmen der Neuen Musik wie etwa Tonalitätsverbote zu pfeifen.

Die Handlung der aktuellen Produktion "Jeanne & Gilles" (Libretto und Regie: Kristine Tornquist) ist schnell erzählt: Der Marschall Gilles de Rais ist Jeanne d’Arc verfallen, diese wiederum dem Krieg. Von Jeannes Tod am Scheiterhaufen traumatisiert, steht Gilles fortan unter dem Zwang, die Ermordung der Geliebten an dutzenden Opfern zu wiederholen.

An Wiederholungszwang leidet auch die Musik von François-Pierre Descamps. In erweiterter Tonalität gehalten, macht sie trotz hektischen innerer Bewegtheit einen statischen Eindruck, die langgezogenen Silben des Gesangs wirken im Verhältnis zur Begleitung des vom Komponisten dirigierten, gut zehnköpfigen Ensembles unmotiviert und zusammenhanglos. Ebenso wie die Musik verweigert sich auch das Bühnenbild der Moderne, wobei dessen Illusionismus immerhin durch sichtbare Bühnenarbeiter gebrochen wird.

Immerhin gibt Lisa Rombach nicht nur visuell eine charismatische Hauptfigur, ihr Sopran lässt auch in höchster Höhe keine Wünsche offen. Ihr und dem Einsatz ihrer drei Mitstreiter ist es zu verdanken, dass die Geschichte einen Bann entwickelt - der jedoch keine 90 Minuten lang vorhält.

Wer im Musiktheater nach neuen Klängen und Bildern sucht, wird hier kaum fündig werden. Wer sich lieber am Vertrauten erfreut, dürfte auf seine Kosten kommen. In jedem Fall gebührt Sirene der Verdienst, mit dem historischen Vorstadt-Etablissement "Gschwandner" - jetzt "Reaktor" - zur Wiederentdeckung eines bezaubernden Veranstaltungsraums beigetragen zu haben.