Dass Shakespeares Stücke Bearbeitungen und Vertonungen wert sind, weiß man schon seit der 1670er Jahre, als Thomas Shadwell "The tempest" unter dem Titel "The Enchanted Island" in eine Semi-Oper umarbeitete und diese etwas später mit der Musik Henry Purcells versehen wurde. Da Purcell Shakespeare in Sachen Hitpotenzial in nichts nachsteht, hat man sich nun für die Neuproduktion der Kammeroper dazu entschlossen, das Stück "Die Zauberinsel", basierend also auf Shakespeares "The tempest", um seine, also Purcells, Musikstücke herumzubauen. Klingt kompliziert, ist es auch.

Denn Jean Renshaw es sich zur Aufgabe gemacht, gefühlt alle Highlights aus dem Werk Purcells aufzugreifen und in eine eigens dafür konzipierte Geschichte zu verweben. Genauso stürmisch wie in "The tempest" geht es dadurch dann auch auf der Bühne zu. Eine einsame Insel, Zauberei, Bruderzwist, Gewalt und Liebelei stehen hier im Zentrum. Es geht heiß her, da wird gestritten, vergeben, gezaubert, geliebt, errötet, getötet. All das verkörpert das junge Ensemble des Theaters an der Wien nach einer anfänglichen Aufwärmphase sehr glaubhaft, sowohl schauspielerisch als auch gesanglich, wobei den meisten Applaus am Ende Kristján Jóhannesson als Prospero für sich in Anspruch nehmen darf. Warm und kernig sein Timbre, wenn auch hie und da noch etwas schwerfällig.

Alle Hits müssen hinein

Aber auch Jenna Siladie als Miranda singt sich mehr und mehr warm, Ilona Revolskaya als ihre Schwester Dorinda, ihre jeweiligen Liebhaber Ferdinand und Hippolito (Johannes Bamberger und der hervorragende Countertenor Riccardo Angelo Strano) überzeugen. Das Barock-Ensemble Bach Consort Wien zeigt sich voll frischem Elan und abgesehen von kleineren Diskrepanzen in der Feinabstimmung mit den Sängern ist der Abend musikalisch sehr passabel.

Schwieriger ist da schon die Inszenierung. Denn durch die Herausforderung des "Best-of-Purcell", die sich durch das Vorhaben ergibt, wirklich jeden Hit Purcells einzubauen, kommt es thematisch zu Überladung und Unstimmigkeit. Denn es scheint, als hätte man sich nicht entscheiden können, zu welcher Zeit das Werk denn nun spielen soll.

Zeitenkonfusionen

Einerseits wirken die Figuren, etwa Prospero im bodenlangen Samtmantel, historisch angehaucht, andererseits wird im Slimfit-Anzug mit Waffen hantiert und werden Sätze gesagt wie "She fucking killed you!". Mag sein, dass sich das Werk damit bewusst einer konkreten Zeitlichkeit entziehen möchte. Irgendwie kommt es aber dadurch vor allem uneinheitlich herüber. Verstärkt wird dieser Effekt noch durch ein Bühnenbild, das zugleich Dschungel und Bibliothek sein möchte.

Teilweise kommt es gerade dadurch zu kuriosen Szenen, etwa wenn Trincalo, der stets betrunkene Steuermann, sich in die "Schwester" von Caliban verliebt, eine lebensgroße Puppe, und ihr im hingebungsvollen Liebesrausch "Wondrous machine" zusingt. Nur heiter immer weiter, lautet das Motto. So ergibt sich die Komik des Stücks teils aus diesen, ins Absurde gleitenden, Kontextualisierungen, teils dienen die Chorsänger des Ensembles, verkleidet als Dschungelgewächse und ausgestattet mit gefalteten Notenständern als Humorschleuder, sowie der Tänzer Martin Dvorák (als Caliban), der durch Slapstick-Elemente amüsiert. Eine kunterbunte, durchwachsene Inszenierung, der manchmal etwas mehr Einheitlichkeit nicht schaden würde.